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Das Leben da draußen

"Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist, 
was geschieht dann mit dem Rest?"

(Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon)


Es ist ein komisches Gefühl, wenn ein Ziel, dass man jahrelang gehabt hat, irgendwann aufhört, sich erstrebenswert anzufühlen. Ich kann es nicht an einer einzelnen Sache festmachen, warum. Aber eine Teilnahme an den olympischen Spielen hat irgendwann in den letzten Monaten aufgehört, mein Lebenstraum zu sein. Vielleicht vor allem deshalb, weil ich in den Sommermonaten, die ich (fast) ohne Training verbracht habe, plötzlich festgestellt habe, dass es da draußen ein ganz anderes, buntes Leben gibt. Vielleicht, weil ich realisiert habe, dass es nur gelingen kann, wenn ich für ein, zwei Jahre zur Vollzeitathletin werde und es mir dieses Opfer nicht wert ist. Trotzdem fühle ich mich seltsam leer in den Tagen, nachdem ich meine Rücktrittserklärung an den DRV und die NADA verschickt habe.

Manchmal beschleicht mich der Gedanke, dass ich mein bisheriges Leben einfach unüberlegt weggegeben habe. Und das, obwohl ich weiß, dass ich mir selten etwas so gut und gründlich überlegt habe wie meine Entscheidung, nach Newcastle zu gehen.

Ich wünsche mir trotz allem nichts mehr, als den Spaß am Rudern wiederzuentdecken. Mit einem Team an einem Strang zu ziehen. Vielleicht, so denke ich, können die anderen Mädels noch etwas von mir lernen. Das Training am Newcastle University Boat Club ist völlig anders, als alles, was ich gewohnt bin. Wir trainieren fast jeden Tag zweimal. Morgens um 7 und nachmittags oder abends, je nachdem, wann die Vorlesungen zu Ende sind. Der Dienstag ist der härteste Tag: morgens dynamic weights. 60 Leute die eine Stunde lang im Gleichtakt Gewichte heben. Nachmittags intensive Ausdauer auf dem Ergometer. Musik ist bei keiner der Trainingseinheiten erlaubt. Oft genug habe ich an diesem Tag Vorlesungen von 9 bis 18 Uhr. Manchmal steige ich viel früher als geplant vom Ergo, weil ich Bauchschmerzen habe.

Wir sind dazu angehalten, jede Trainingseinheit zusammen zu machen, selbst wenn es nur Radfahren ist. Auch wenn mir die Trainer den einen oder anderen Freiraum erlauben, habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich das nicht mache. Ich will doch ein Vorbild für die anderen Mädels sein.

Die 40-köpfige Gruppe besteht überwiegend aus 19, 20-jährigen Engländerinnen. Ich habe mich selten in meinem Leben so fremd gefühlt und es überrascht mich. Das hier ist doch Europa, und ich spreche ihre Sprache. Und doch prallen Welten aufeinander, wenn wir zusammenstehen und sie reden darüber, in welchem Club sie heute Abend feiern gehen, wer gerade mit wem zusammen ist und wer was auf Instagram gepostet hat. Ich diskutiere abends mit Tobi die Hochzeitsplanung und schreibe Bewerbungen.

Manchmal fällt einem wohl auch erst im Rückblick auf, in was für einer glücklichen Situation man einmal gelebt hat. Ich war noch nie der fleischgewordene Mainstream, wahrscheinlich hätte ich auch mit 19 nicht so recht in diese Gruppe gepasst. Eine der wenigen Gruppen, zu denen ich mich je richtig zugehörig gefühlt habe - und das von Anfang an - war mein Team auf der Arbeit. Da war nämlich jeder anders, und genau das war die Stärke des Teams. Jeder war ein Spezialist auf seinem Gebiet, eine einzigartige Persönlichkeit. Mann, Frau, Jung, Alt, spanisch, deutsch, französisch. Egal. Und jeder hilft jedem mit dem, was ihn besonders macht. Ich habe an meinem letzten Arbeitstag jedem meiner Kollegen eine Karte geschrieben. Jeder hat eine andere bekommen. Ich hätte nach vier Jahren mit all diesen besonderen Menschen unmöglich jedem das selbe schenken können.

Im Leistungssport ist eine gewisse Austauschbarkeit gewünscht. Für die Entscheidungsträger im Spitzensport schrumpft die gesamte Persönlichkeit eines Athleten oft genug auf eine einzelne Zahl, eine Weite, Höhe, Geschwindigkeit zusammen.

Drei Regatten bin ich mitgefahren: das BUCS Small Boats Head in Boston, das Fours' Head in London und das Rutherford Head. Für Fours- und Rutherford Head haben wir einen Doppelvierer, der richtig gut funktioniert. Aus London kommen wir mit Silber nach Hause, Rutherford können wir gar mit deutlichem Abstand gewinnen. Ich sitze auf Schlag und es ist, als würde mein Kopf einfach nur ein Programm laden und abspielen. Ich rudere schnell, weil ich einfach weiß, wie es geht. Da ist nicht der Wille, zu kämpfen oder zu gewinnen. Es ist einfach Konzentration auf das, was zu tun ist.

Während wir mit gerade mal zwei Booten in London sind, fährt der Rest der Mädels zu Hause ein Ranking aus. Es geht darum, wer für das Rutherford Head im ersten, zweiten, dritten oder gar vierten Achter mitfährt. Die Mädchen geben ihr Bestes, um im ersten Boot zu sitzen. Für mich sind die Regatten hier aus sportlicher Perspektive völlig bedeutungslos. Ich habe sechzehn Jahre meines Lebens nur geskullt. Das Wochenende vor dem Rutherford Head bin ich in Deutschland um Tobi zu seiner Doktorprüfung begleiten zu können.

Mein Trainer setzt mich in den ersten Achter.

Beim Briefing sagt er, wir sollen das Rennen nicht für uns fahren, sondern für all die vielen Zuschauer, die unserem Lokalderby beiwohnen und den Club unterstützen. Dass wir das beste sind, was der Club zu bieten hat und dass jeder, der sich diesem Druck nicht gewachsen fühlt, nicht in diesem Achter sitzen sollte. Ich würde am liebten sagen: "Okay, ich geh dann mal. Gib meinen Sitz jemandem, der ihn haben will." Zwei Stunden vor dem Rennen ist es dafür freilich zu spät.

Wir müssen etwa eine Stunde auf dem Wasser auf unseren Start warten. Es ist 4 Grad kalt und ein eisiger Wind weht. Als wir schließlich starten, wünsche ich mir nichts sehnlicher als in meinem warmen Bett zu liegen. Hier kann ich kein Programm ablaufen lassen. Ich muss jeden Schlag versuchen, vernünftig zu rudern. Ich habe keine Idee davon, wie sich "richtig" beim Riemenrudern anfühlt. Im Vergleich zum Skullen fühlt sich der Schlag unglaublich kurz an, ich habe nie das Gefühl, richtig hinter dem Blatt zu hängen. Das Boot wackelt, es gibt einige Schläge in denen ich mein Blatt gar nicht erst ins Wasser bekomme. Ich habe das Gefühl, dass ich mich vor all den Anwesenden gerade bis auf die Knochen blamiere.

In der folgenden Woche bin ich krank. Ich beschließe, die Zeit zu nutzen und mache einen Termin mit Gary, dem Sportpsychologen der Newcastle University. Ich erhoffe mir einen objektiven Blick auf das, was da in meinem Kopf passiert und was ich selbst nicht so recht glauben mag: Ich will nicht mehr rudern. Oder, wie der Psychologe es ausdrückt: würde man ein Pro- und Contraliste mit allem machen, was bei mir diesbezüglich im Kopf herumschwirrt, dann gibt es einfach sehr viel mehr Argumente, die gegen die Fortführung des Leistungssports sprechen, als Argumente die dafür sprechen.

Was hält mich zurück? Nun, dieses seltsame Gefühl, meine Identität herzugeben. Wenn mich die Leute fragen: "wer bist du?", was werde ich antworten? Das herauszufinden, so Gary, wird wohl eine Weile dauern. Aber das ist ganz normal.

Und so bringe ich den Mut auf, mich dazu zu entscheiden, das Rudern an den Nagel zu hängen, zumindest so lange ich nicht die Möglichkeit habe, es wirklich ohne Druck von außen nur so zum Spaß auszuüben. Erleichtert verlasse ich Garys Büro. Ein Gedanke schießt durch meinen Kopf: Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens!

Meine Mitbewohnerin fragt mich, was ich denn nun machen möchte. Ich sage ihr, ich würde so gerne noch richtig Gitarre spielen lernen. Am liebsten würde ich das Instrument nach Weihnachten einfach vom Dachboden meiner Schwiegereltern holen und mit nach Newcastle bringen. Aber nach all den Horrorstorys, die ich schon von Instrumenten im Flugzeug-Frachtraum gehört habe, traue ich mich nicht. Ral geht in ihr Zimmer und kommt kurze Zeit später mit einer etwas eingestaubten Gitarre zurück. Eine ihrer früheren Mitbewohnerinnen hat sie in Newcastle zurückgelassen, seit dem steht sie unbenutzt herum. Außerdem wird Ral einen Kollegen fragen, ob er mir nach der Klausurenphase Gitarrenunterricht geben kann. Ich platze beinahe vor Glück. Seitdem spiele ich fast jeden Tag. Ich bin erstaunt, wie viel ich nach vielen Jahren Pause dann doch noch auf dem Instrument zustande bekomme. Und ich mache bescheidene Fortschritte.

Es fühlt sich an wie Urlaub. In den ersten paar Wochen schlafe ich teilweise bis um 8 Uhr. Dann setze ich mich in aller Ruhe an meinen Schreitisch und lerne: State Space, Ziegler-Nichols-Tuning, Z-Transforms. Ich sauge das Wissen in mir auf und freue mich jedes Mal, wenn ich endlich etwas verstanden habe. Ich habe Energie dazu, es ist kein "oh nein und nach dem Training muss ich aber wirklich noch lernen."

Ich bin wach. So sehr, dass ich glaube, ich habe einfach irgendwann im Laufe der letzten Jahre vergessen, was es bedeutet, richtig wach zu sein. Als hätte ich das Leben jahrelang nur durch eine trübe Glasscheibe gesehen, durch die alles unerreichbar, dumpf und grau wird.

Ich mache Sport. Radfahren, Schwimmen, Yoga, Pilates, Crosstrainer. Ich nehme mir das vor. Morgens, oder ein paar Tage vorher. Trotzdem passiert es einfach nicht, dass ich das Gefühl habe: och nööö… ich will nicht.


Ich schnappe mir mein Fahrrad und fahre ans Meer. Ich bin nicht schnell. Überhaupt nicht. Für die 36km hin und zurück brauche ich fast 2 Stunden. Ich bin trotzdem stolz auf mich, als ich wieder zu Hause bin. Ich habe das Gefühl, an einem durchschnittlichen Sonntag mit unterdurchschnittlichem Wetter trotzdem etwas außergewöhnliches getan zu haben.

Manchmal vermisse ich es trotzdem schrecklich, mich ins Boot zu setzen, den Wind um die Nase zu spüren, dem Rauschen des Wassers unter dem Rumpf zu lauschen. Aber rudern scheint in all den umliegenden Vereinen nur als Wettkampfsport, zwar mit unterschiedlichen Abstufungen in der Intensität, aber doch immer mit einer gewissen Erwartungshaltung verknüpft, zu existieren.

Es ist der 18. Dezember 2017. Ich gehe mit offenen Augen durch die Stadt, genieße das Licht, das die winterliche Sonne auf die Häuser, den Tyne und die Brücken wirft. Ich bin bezaubert von so einfachen Dingen wie dem tollen Türkisblau eines ansonsten recht hässliche Graffito an einer Hauswand im Hafen. Ironischerweise habe genau an diesem Morgen, einen Tag bevor ich zu Weihnachten nach Hause fliege, das Gefühl, angekommen zu sein. Das hier ist mein Leben und ich halte es in meinen Händen und kann damit tun, was ich will. Mir ist klar geworden, dass ich mehr sein möchte als eine gute Ruderin.

Ich bin dankbar. Dankbar, dass mich das Rudern über weite Strecken meines Lebens begleitet hat. Dankbar für all die Menschen, die es in mein Leben gebracht hat. Von denen viele, so durfte ich in den letzten Monaten erleichtert feststellen, in mir doch auch andere Dinge als die gute Ruderin zu sehen scheinen. Ich bin dankbar, dass ich mich in vielen Facetten selbst kennenlernen durfte. Dankbar für Sonnenaufgänge über spiegelglattem Wasser und für dieses einzigartige Gefühl, wenn das Boot "klickt" und jeder intuitiv weiß, was er zu tun hat.

Und ich bin dankbar, all das loslassen zu können und Raum für Neues zu gewinnen.

Möglicherweise ist Rudern das, was ich bisher am besten konnte.
Aber ich kann immer noch alles andere lernen.

Auf zu neuen Ufern!



English text below

Mein Kollege und ich kommen auf dem Weg zur Kantine an einem Plakat vorbei, dass einem Mitarbeiter zur 50-jährigen Betriebszugehörigkeit gratuliert.
Er: "Das wird von uns wohl keiner schaffen."
Ich: "Also wenn ich bei Airbus bleibe bis ich 68 bin, dann habe ich 49 Jahre."
Er: "Oh Gott, Judith, du musst weg von hier!"

Es begann vor etwa einem Jahr mit einer diffusen Unzufriedenheit. Es ist nicht wirklich so, dass ich meinen Job nicht mag oder dass ich tatsächlich Angst davor hätte, irgendwann mein 50-jähriges Airbus-Jubiläum zu erleben. Es ist mehr dieses Gefühl, dass das noch nicht alles gewesen sein kann, gepaart mit dem Bewusstsein, dass ich alles gegeben habe , was in meiner beruflichen Situation möglich war, und es trotzdem nicht nach Rio geschafft habe.
Ich liebe es, Neues zu lernen. Je komplizierter, desto besser. Aus losem rumgoogeln mit der groben Vorstellung "was mit Statistik" ist im Laufe der Zeit dann "Applied Process Control MSc" an der Newcastle University geworden. Viel Regelungstechnik, eine bisschen Statistik, 3 Trimester ab September 2017. Und eine der besten englischen Uni-Rudermannschaften.
Es klang alles so gut, dass ich tatsächlich mal auf einen Plan B verzichtet habe und nur eine einzige Bewerbung geschrieben habe. Vier Wochen später hatte ich die Zusage.

Und doch blieben noch einige Zweifel, ob das wirklich die richtige Wahl ist, oder ob ich mich habe blenden lassen. Ob ich das Studium mit meinem Bachelor wirklich machen kann?
Nur zu gerne bin ich daher der Einladung von Newcastles Frauen-Rudertrainer Alex Leigh gefolgt, mir Newcastle, die Uni und den Ruderclub einmal vor Ort anzuschauen.

Mein erster Gedanke im Landeanflug: oh mein Gott, die Autos fahren ja wirklich auf der anderen Straßenseite! Auch die nächsten Tage haben einige spannende Neuerungen für mich parat: Ich kämpfe mit den englischen Münzen und den self-checkout Kassen im Supermarkt. Ich versuche zu ergründen, wann man am besten über die Straße läuft (mit den Ampelphasen hat das definitiv nichts zu tun) und nach welchen Regeln ein Netball-Match abläuft. Ich entdecke Scones und Kakao mit Marshmallows für mich. Und lerne viele tolle Menschen kennen, allen voran Charlotte, Steuerfrau und Teamcaptain, und ihre verrückte WG mit sieben Mitbewohnern und einem Dackel. Alle super nett. Das schöne daran, zu siebt zu wohnen, so stelle ich bald fest, ist dass jeder an einem Abend in der Woche mit kochen dran ist, so dass es immer leckeres "House Dinner" gibt, zusammen mit allen Mitbewohnern und diversen Freunden, die spontan reinschneien.

Meinen Besuch habe ich so geplant, dass ich am "Postgraduate Open Day" der Newcastle University teilnehmen dran. Einen Nachmittag lang bin ich also damit beschäftigt, unendlich viele Informationen zu tanken, bis mir fast der Kopf platzt. Ich habe die Gelegenheit, im "Student's Café" mit eine Bulgarischen Studentin zu reden, die schon in Berlin studiert hat und mir ausführlich erklären kann, wo die Unterschiede zwischen deutschen und britischen Unis liegen. Die "Subject Session", die ich gebucht hatte, stellt sich als privates Gespräch mit dem leitenden Professor des Studiengangs heraus, den ich dann eine halbe Stunde lang ausführlich mit Fragen löchern kann, bis ich weiß, wie ich mich fachlich ein bisschen auf die Zeit vorbereiten kann. Auf einer Guided Tour lerne ich den Campus kennen und in einem Gespräch mit dem Postgraduate Admissions Team finde ich endlich heraus, was das Problem mit der Übersetzung meiner Bachelorurkunde ist.

Selbstverständlich verbringe ich auch viel Zeit mir Charlotte, Alex und den anderen Ruderern. Am Mittwoch ist erstmal Krafttraining dran, Donnerstag und Freitag geht es raus auf den Tyne - morgens um 6 bei nachtschwarzer Dunkelheit. Das Einsteigen ins Boot geht hier auch auf die britisch-rudimentäre Art und Weise - ohne Steg und in Gummistiefeln, so wie man das auch vom Boat Race kennt. Die Mädels sind tierisch nervös, mit mir ins Boot zu steigen. Und das obwohl sie eigentlich alle ganz passabel rudern können. Dafür haben sie mir versehentlich erstmal ein Skull mit losem Griff gegeben, so dass ich irgendwann leider einen Krebs fange und anschließend nur noch mit stehendem Blatt rudere, bis Charlotte und Alex mir ein neues paar Skulls holen fahren. Das Training nach Newcasteler Art, so lerne ich in der Praxis und bei einem ausgedehnten Spaziergang mit Alex durch die Stadt, läuft ein bisschen anders als gewohnt: anstatt ausgedehnter Grundlagenausdauereinheiten werden hier eher kurze und intensive Einheiten, oft im Sparringmodus, absolviert.
Im Bootshaus staune ich über sage und schreibe acht Achter und keine einziges Gigboot.

Nach drei bunten und ereignisreichen Tagen steht für mich auf jeden Fall fest: meine Entscheidung für Newcastle war auf jeden Fall die richtige.

Four very British days

My colleague and me are on our way to the canteen and pass by a poster which congratulates to a colleague for being with Airbus for 50 years. 
He: "None of us will ever achieve this." 
Me: "If I'm staying here until I'm 68, I will at least have 49 years. 
He: "Judith, you must go away from here!"

It all started about a year ago with a diffusely disappointed feeling around my stomach. It's not exatly that I do not like my job. But I have always enjoyed learning something new. The more complex, the better. And after three years doing the same job I felt like going for something new. Moreover, I was aware that I had done everything that I possibly could in my current situation to make it to the Rio Olympics, and that there was still a considerable gap between me and the real world-class athletes.

So I started to google and over time, I came from "something with statistics" to Applied Process Control at Newcastle University. A lot of control technicqwue, some statistics, 3 terms startig from Spetember 2017. And a high performance university rowing club along with it.
I did all sound so good that I did discard all potential plan B's and wrote exactly one application. Thanks that, and Paco's masterpiece of a recommendation letter, I was offered a place to study a couple of weeks after.

Still, some doubts remained - was that really all as good as it sounded. And would I really be able to do such a demanding master programme with my material engineering bachelor and having been out of learning for over 3 years.

Fortunately, Alex Leigh, the womens' coach, invited me to come around for a couple of days and get to know Newcastle University and the rowing facilities.

My first thought at the aircrafts' landing approach: Oh my god, the cars are really driving on the other side of the road! The following three days had some more very british moments for me: Struggling with the English coins and the self-checkout cash desks at the supermarket. Me trying to understand the Netball rules by watchin a game and trying to figure out when people are crossing the street (there is definitely no link to the color of the traffic lights). I discover Scones and hot chocolate with marshmallows. And I get to know a lot of friendly and awesome people, amongst them Charlotte, the womens' cox and team manager with her mad house of seven students and one dog. 


I have scheduled my visit for this week to be able to visit the Postgraduate Open Day at Newcastle University. This keeps me busy collecting as much information as possible throughout half a day until my head feels like it is about to explode. I have the opportunity to get introduced to the differences between German and English universities by a Bulgarian student. The "subject session" that I booked beforehand turns out to be a face to face with the professor responsible for the course that I'm applying for. I get to know the campus on a guided tour and get explained what the postgraduate admissions team needs to make my conditional offer unconditional.

I do of course spend a lot of time with Charlotte, Alex and all the other rowers from Newcastle University Boat club. After weightlifting on Wednesday (Thank you, Alex, I had sore muscles until Saturday :-P), I'm able to go out for rowing on river Tyne on Thursday and Friday morning - at half past six and in complete darkness. Entering the boat is performed in the british-rudimentary style everybode knows from The Boat Race: in wellies and without pontoon. The girls are a little nervous about rowing together with me despite all of them are fairly good rowers. The only thing I could critizise is that they could have given me sculls with well fxed handles.

Training in Newcastle that's what I am told and what I experience on the water is fairly different from what I'm used to: less mileage, more sparring. In the boat house, I am astonished about seeing eight eights and not one single gig boat.

After three amazing days, I'm absolutely sure that going to Newcastle is a good decision.

Abtauchen - Auftauchen - Abheben

Die Wochen nach der WM sind traditionell die Zeit um die Beine hochzulegen, in den Urlaub zu fahren, Klausuren nachzuholen... kurzum: um alles das zu tun, was man während der Trainings- und Wettkampfphase nicht tun kann.
Nun fällt Urlaub bei mir leider normalerweise flach (der Tarifurlaub geht ja schon komplett für die Trainingslager drauf), Beine hochlegen ist eh nicht so mein Ding und Klausuren hat man ja als Arbeitnehmerin auch nicht (nach)zuschreiben. Was zum Teufel hab ich also in den letzten vier Wochen, außer Lebkuchenherzerl malen, getan? 

Abtauchen

Wer sagt denn, dass Dienstreisen keinen Spaß machen?

Blick aus dem Bunker.
Der Sommer hat extra darauf gewartet, dass ich wieder zu Hause bin. Leider hat er da nicht an die Freibäder gedacht, die leider alle schon Anfang September ihre Pforten schlossen, so dass ich mich genötigt fühlte, doch ganz einfach den Baggersee zu nehmen. 
Die weit bessere Alternative bot sich dann allerdings mitte der Woche: meine Kollegen und ich waren auf "Klassenfahrt" in Saint Nazaire, wo uns unsere französischen Kollegen die Monatge der mittleren Rumpfsektion der Langstreckenflugzeuge erklärt haben. Wir haben viel gesehen, viel gestaunt und eine Menge Anregungen für unsere A320-Rumpfmontage mitnehmen können. Und trotz des vielen Inputs blieb doch noch die Zeit, im Atlantik zu plantschen, Hitlers U-Boot-Bunker zu besichtigen und im Casino ein paar Euro bei Roulette zu er- und wieder zu verspielen.

Auftauchen


Rushhour beim Sommerfest.
Unter dieses Stichwort passt nicht nur der Ausflug nach München, sondern auch das - aufgrund des tollen Wetters spitzenmäßig besuchte - RCS Sommerfest, wo ich den halben Tag damit beschäftigt war, mehrere Quadrameter Kuchen zu verkaufen.

Außerdem konnte ich mich auch mal auf der Balkoneinweihungsparty meiner besten Freundin blicken lassen (sonst bin ich ja eher nicht dafür bekannt, zu irgendwelchen Partys zu gehen. Meistens bin ich dann doch unterwegs oder muss früh raus am nächsten Tag).
Oh ja, Rudern macht immer noch Spaß.
Orange is the new red:
Während ich bei der WM war, hat mein Boot eine Rundumerneuerung genossen.
Nordddeutsche Meisterin im Fraueneiner - klappt auch untrainiert...
Und schließlich hat die wunderschöne (nahezu) trainingsfreie Zeit ihren krönenden Abschluss in den Norddeutschen Meisterschaften gefunden. Gestern mit Irene im Zweier fehlte leider etwas die Power, aber heute konnte ich mit meinem frisch renovierten Boot die Goldmedaille im Fraueneiner abstauben.


Abheben

Anna, ASK21 und ich.

Mein persönliches Highlight der letzten Wochen war nichtsdestotrotz der Tag auf dem Segelflugplatz Boberg. Meine Freundin Anna, die gerade ihre Fluglehrerausbildung macht, hatte mich eingeladen.
Es war toll! Und ganz anders, als man sich Segelfliegen so vorstellt. Hat mehr was von Achterbahnfahren als von schwerelosem dahingleiten. Macht aber trotzdem (oder vielleicht auch deswegen) irrsinnig Spaß.

Madrid wants to keep on rowing!

Bad news from the place where the story of this blog began a little over three years ago:

The government of Madrid decided in May to start a renaturalization project for the river Manzanares. You may argue that on the first sight, this sounds like a good idea. Having seen (and sometimes smelled) that river, dammed up and squeezed between high concrete walls, it's not a wrong thought at all to consider to convert it into a place to live for fish (and if you believe the plans of the activists even otters) again. The bad news are, however, that the naturalization plan seems to consist mainly in opening all locks, which leads to a massive reduction of the water level. El Mundo reports that islands have formed already in the river bed.

The rowing community in Madrid looks back onto a long tradition of rowing on ponds of less than 300 metres in length, but a small creek with green islands does not even serve these masters of improvisation for their daily training.

The rowing school opened only 4 years ago in the frame of the Parque Madrid Rìo project and has it's boat hangar and pontoon ceded for use by the city of Madrid. Although with a length of about a kilometre and a width just big enough to turn around a quad, the section of the Manzanares in Legazpi is still far from being the ideal place to row, it has enabled the competitive rowers of Madrid to prepare successful participations to the national championships. Moreover, a lot of children and adults have learned rowing in the rowing school and have discovered it as their favorite leisure activity.

To me, it sounds like a bad joke that the government of the same city that built a place to row a few years ago, is now simply forgetting about it. (Especially when you are, alike me,  living in a country where each public construction project of that size will last for decades because the alleged public good needs to be carefully weighted against the interests of single persons and organizations.)

Does anybody really believe that there can't be a compromise between the interests of the rowers and nature? After all, rowing is not harmful to nature but beneficial for our health and personal development.

Please help my friends to make themselves heard by signing their petition to the mayor of Madrid.

Hacker-Pschorr Wiesnchampion

"Mensch, Judith, du bist ja echt der spontanste Mensch der Welt!"
Max kann seine Begeisterung kaum zähmen, als ich ihn am Montag abend anrufe, um nochmal eben alle Details für den Dienstag zu besprechen. Da muss ich ihn korrigieren: ich hatte immerhin das ganze Wochenende Zeit, mich mental auf eine eintägige Münchenreise vorzubereiten. Die echte Spontaneität hat aber einmal mehr mein Chef gezeigt, der mich ganz verwundert angeschaut hat als ich ihn am Montagmorgen darum gebeten habe, den Dienstag für ein Sponsoringevent frei zu bekommen. "Wieso fragst du denn überhaupt? HAU AB!"

Wiesnchampion also. Obwohl ich eigentlich kein Bier trinke und mir dieses ganze Gedöhns das ums Oktoberfest gemacht wird irgendwie suspekt ist, möchte ich mir doch die Chance nicht nehmen lassen, die Jungs von Monaco Funding, die mich so toll bei der Bootsfinanzierung unterstützt haben, mal persönlich kennenzulernen.
Die erste nette Begegnung mache ich gleich am Münchner Flughafen: Als ich vor dem Fahrkartenautomaten stehe, fragt mich ein Mann, in gebrochenem  deutsch, ob ich in Richtung Hauptbahnhof fahre. Dann könnte ich auf seiner Gruppentageskarte mitfahren. Als er ein paar Stationen vor dem Hauptbahnhof aus der Bahn steigt, schenkt er mir sogar die Fahrkarte, so dass ich den ganzen Tag noch lustig durch München gurken kann, wenn mir denn danach ist oder ich die Zeit finde. Am Bahnhof werde ich dann von Max erwartet, der mich zum Büro von Monaco Sports bringt und mir dort seine Kollegen vorstellt und mir stolz die Dachterasse mit Blick über die Münchenener Innestadt präsentiert.
Die Jungs von Monaco Sports sind echt nett und haben eganz viele Fragen an mich - ihr Job ist es, Sportstipendien in den USA zu vermitteln, und sie fragen sich, warum das bei den Ruderern irgendwie nicht so richtig ankommt. Ehe wir uns versehen, habe ich ihnen das komplette Qualifikatioonssystem des Deutschen Ruderverbands erklärt und wir sind echt schon spät dran um zum Marienplatz zu kommen. Statt zu laufen nehmen wir dann doch leiber die Bahn um pünktlich anzukommen.

Am Marienplatz treffen wir dann meinen Teamkollengen für den heutigen Wiesn-Triathlon, den Monoski-Doppelweltmeister Georg Kreiter. Gegen uns werden die Fußballer von TSV 1860 München, die Eishockeyspieler vom EHC Red Bull München und die Volleyballer vom TSV Herrsching antreten.
Leider müssen wir dann aber erstmal feststellen, dass Max leider falsch informiert war: unser Wettkampf findet im Brauhaus von Hacker-Pschorr statt und das liegt an der Theresienwiese. So langsam wird es knapp mit der Zeit...
Die Monaco-Jungs rufen sich ein Taxi, ich sprinte mit Georg zu dessen Auto (auf seinen 2 Rädern ist er was Geschwindigkeit angeht echt ein bisschen im Vorteil).
Es ist wahnsinnig viel Verkehr in Münchens Innenstadt, so dass wir für die knapp 4 Kilometer fast eine halbe Stunde unterwegs sind. Zeit genug, sich näher kennen zu lernen und sich darüber auszutauschen, wie man das mit Sport und Job unter einen Hut bekommt. Auf jeden Fall ist Georg ein sehr sehr netter und sympathischer Zeitgenosse. Wahrscheinlich wäre uns auch bei 400 Kilometern in dem Tempo nicht langweilig geworden.

Als wir dann endlich ankommen, ist der erste Wettkampf schon im Gange: beim Anzapfen geht es darum, den Hahn mit möglichst wenigen Schlägen ins Bierfass zu bekommen. Die Dritte in unserem Team, die Para-Dressurreiterin Julia Porzelt, hat sich leider den Arm gebrochen und kann deshalb heute doch nicht dabei sein. Deshalb hat uns Hacker-Pschorr heute als "Joker" den Braumeister zur Verfügung gestellt, der souverän mit zwei Schlägen anzapft und uns damit erstmal in Führung legt. (Mit einem Schlag anzuzapfen, so erklärt er uns später, sei unprofessionell - zu groß wäre hierbei die Gefahr, dass der Hahn wieder rausfällt und man eine ausgiebige Bierdusche nimmt.)

Auch die nächste Disziplin ist was für echte Männer: Maßkrug stemmen am ausgestreckten Arm. Georg hält den Krug etwas über zwei Minuten (und das mit Links!) und damit schon deutlich länger als der Volleyballer. Gegen den Eishockey-Verteidiger, der nach vier Minuten immer noch dasteht ohne auch nur im geringsten die Miene zu verziehen, kann aber niemand was ausrichten.

Für meine Disziplin sollte ich nach all den Dankeschönkeksen für meine Unterstützer eigentlich perfekt vorbereitet sein. Die Aufgabe lautet: "Verziere das Herzerl in zwei Minuten mit einer Liebeserklärung an deinen Verein." Also los - Riesen-Spritztüte trifft Riesen-Lebkuchenherz (die Größe, die auf dem Wasn für schlappe 39 Euro verkauft wird). Die 2 Minuten reichen gerade für eine technisch saubere Ausführung des Monaco-Funding Logos.
Das Herz der Jury gewinnt jedoch der Eishockeytorwart mit seiner simplen, aber überzeugenden Botschaft: I love Hacker-Pschorr!

Damit tragen die Eishockeyprofis einen ungefährdeten Sieg nach Hause und wir können uns offiziell mit dem Titel Vize-Wiesnchampion schmücken. Und natürlich muss auch das gesamte Team nach der Brotzeit (schon allein dafür mal wieder g'scheite Brezeln zu bekommen hat sich die Reise nach München gelohnt!) nochmal ausprobieren, wie lange wir so einen Maßkrug halten können. Fazit: Georg war wohl schon die richtige Wahl.

Und so stehe ich abends am Münchner Flughafen und überlege mir, ob so ein 60-cm Lebkuchenherzerl wohl als Sperrgepäck eingecheckt werden muss. (Muss es nicht, aber in die Kiste vom Handgepäckscanner passt es auch nicht rein.) Glücklicherweise ist im Flieger der Sitz neben mir leer...

Judith trainiert... Auto fahren

"Nicht so nah an die geparkten Autos! Die Straße ist breit genug, dass du weiter links fahren kannst." Obwohl er mir das nun mit Sicherheit schon mindestens zum einhunderttachtundvierzigsten Mal sagt, strahlt Martin immer noch die Ruhe des Erzählers auf den Benjamin Blümchen-Kassetten aus. Ich glaube, einen geduldigeren Menschen habe ich im Leben noch nicht kennen gelernt.
Ich bin also genau an den Richtigen geraten.

Ich steuere den blauen Golf also weiter mit der garantiert falschen Geschwindigkeit quer durch die Harburger Berge. ("Hast du das Tempo-30 Schild nicht gesehen?" - "Nein, so schnell können wir hier nicht abbiegen."  -  "Also, wegkommen sollten wir an der Ampel schon." - und, im Flüsterton: "Gas, mehr Gas!") Immerhin das rückwärts um die Ecke Fahren bekomme ich auf Anhieb ganz gut hin - ist ja schließlich auch nichts anderes als Anlegen, nur dass man beim Auto viel mehr Möglichkeiten hat, im Zweifelsfall nochmal zu korrigieren.

Immerhin ist mein Kopf mal wieder gefordert - wenn ich nichts lerne, dann lebe ich nicht. Und die vielen Termine in der Fahrschule helfen mir, etwas mehr Struktur in meinen Tag zu bekommen. Nach guten 3 Monaten ohne Arbeit habe selbst ich keine Energie mehr, jeden Tag komplett selbst mit vernünftigen, notwendigen oder lustigen Dingen zu füllen. Ein bisschen ist also tatsächlich das eingetreten, vor dem ich am meisten Angst hatte: Ich bin den ganzen lieben langen Tag mir selbst ausgeliefert, muss mich organisieren, mich motivieren und aushalten, dass meine Gedanken viel zu oft nur um mich selbst kreisen. Da tut es gut, sich gelegentlich mal voll auf gucken, blinken, kuppeln und bremsen konzentrieren zu müssen. Meditative Anweisungen inklusive.

Eine Frage der Ehrung

Was macht ein Sommersportler im Winter zwischen den Trainingslagern?
Genau, PARTY! ... na ja, oder so ähnlich.

Die Winterzeit ist die Zeit, in der Kommunen und Sportvereine ihre Sportler (und sich selbst für ihre Sportler) feiern.

Yay, eine Urkunde!
 Mein Abendprogramm-Marathon ging los mit der Sportlerehrung des Bezirks Harburg. Der Vorteil der Veranstaltung ist definitiv, dass sie im Harburger Rathaus stattfindet. 2x umfallen, dann bin ich auch schon da. Der Bezirk Harburg ehrt ALLE Sportler, die mindestens Hamburger Meister geworden sind mit einer Urkunde. Dieses Jahr gab's dazu sogar noch ein Handtuch, das ich, anders als die sonst gern verteilten Kinogutscheine, tatsächlich auch mal benutze... Weil es im Bezirk allerdings sehr viele Sport(schützen)vereine und entsprechend viele erfolgreiche Athleten gibt, blieb der Moderatorin leider kaum Zeit, auf die einzelnen Sportarten einzugehen, und so verkam die Ehrung leider eher zu einer verwirrenden Massenabfertigung in der keiner mehr so recht durchstieg, wer da jetzt gerade für welchen Sport geehrt wird. Immerhin war die eingeschobene Talkrunde zum Thema "Integration durch Sport" ziemlich interessant. Hut ab, was manche Sportvereine mit einfachsten Mitteln für die vielen Flüchtlinge im Bezirk tun!

Am Tag darauf war dann tatsächlich Party angesagt - der RC Allemannia feierte sein 150. Jubiläum und lud dazu in die Festsäle des Hotel Atlantic.

Wie stellt man sich "Gewicht machen" vor, Frau Anlauf?
Mein persönliches Lieblingsevent war allerdings die Sportlerehrung in Jork - dort bin ich mal nicht selbst geehrt worden, sondern war als "Überraschungsgast" eingeladen und durfte nach der Ehrung im Interview mit Moderator Wolfgang von der Wehl ein wenig über mein Leben als Leistungssportlerin erzählen.
Die Sparkasse Stade- Altes Land hatte in ihre Räumlichkeiten geladen und stellte den netten Moderator und das Catering zur Verfügung. Anders als in Harburg wurden nicht alle Sportler/innen geehrt, sondern die Bürgermeister der Gemeinden Jork und Lühe hatten sich jeweils vier Sportler oder Teams ausgesucht, die eine Ehrung erhielten - unter ihnen ein kleiner Segler, der auf einer Regatta trotz viermaligen Kenterns noch das Ziel erreicht hatte und eine Damen-Volleyballmannschaft, deren Block auch als die "Altländer Mauer" bekannt ist. Dadurch, dass durch die wenigen zu ehrenden Sportler genug Zeit für Interviews und eine Runde Mini-Tischtennis auf der Bühne war, war die Ehrung deutlich unterhaltsamer und irgendwie auch feierlicher als die Massenabfertigung in Harburg. Dass uns die Sparkasse als Dank für meinen Besuch auch noch mit einem dreistelligen Betrag beim Bootskauf unterstützt machte den Abend dann endgültig perfekt.
Die efolgreichen Sportler aus dem Alten Land.. und ich mittendrin.

Same, same but different? - Some personal thoughts on the FISA congress

As every year, delegates from all rowing nations came together a few days ago in London for the National Federations’ Conference.
One part of their discussion - echoeing throughout the social media for the last few days - was the reorganization of the olympic program.
The shortest summary I can draw from the athletes' reactions is a collective "Are they crazy?" Honestly, this was my first thought, too, when I saw the three proposals concerning boat class changes for the olympic programme - all of them deleting the lightweight men's four, and two of them adding the women's four, an event which is for the moment likely to "die out" on the world rowing championships.

I've just read through the presentation on rule changes provided on worldrowing.com, trying to understand the reason for these proposals.

As far as I understand, FISA and IOC are aiming to establish gender balance by trying to offer exactly the same boat classes both for women and men. This is also reflected in proposals for a new world rowing championship program some slides later, which would delete all 2+ and 4+ events for the open weight, and add 2- and potentially 4- for lightweight women, so that they would have exactly the same events as the lightweight men. Another interesting "siede effect" of the new rules would be that in case a boat class "dies out" for one gender, it would kill the same boat class for the other gender as well.

Although I think I understand the idea behind, I can hardly imagine that equality and fairness are the same thing here.
I'm sure that we might face the question if the chicken or the egg was there first when discussing the topic, which is in this case: Are there not so many athletes for a specific boat class because it is not attractive, or are there only few entries for the boat class, because there aren't enough potential athletes for this boat?

First of all: Personally, I do not feel discriminated because I will never get the chance to race in a coxless four on the olympic games. From my point of view, it is absolutely okay that some gender/weight groups race in categories that other groups don't have. I think fairness and diversity would not be biased by say, letting the lightweight men race a four and lightweight women a quad - four persons in each boat, so what's the matter? To avoid confusion among the spectators, it might even be helpful to establish something like a big boats for open class - middle boats for lightweights - policy.

I'm convinced that removing the LM4- from the olympic program and adding sweep rowing for lightweight women only on the world rowing championships would just result in no lightweight sweep rowing. It is obvious that the not- olympic boat classes are the ones most likely to "die out", even more if in the same rowing style (sculling/ sweep rowing) there wouldn't be any olympic event.

In case we want to add a new - former not olympic - boat class, shouldn't we first have a look at what are actually the most popular not olympic boat classes on the world championships? Just by making the W4- olympic I honestly do not believe we will suddenly find a lot more top-class female sweep rowers. And would the dozens of lightweight women competing in the LW1x and LW4x think it was a fair decision to prefer the few open weight sweep rowers who did not make it to the eight or pair? Is it fair to take away the chance to compete on the olympic regatta from all male lightweight sweep rowers, just because you don't see the chance to offer the same to lightweight women?

Judith trainiert... alles, nur nicht rudern


Ich und mein Leih-Bicicleta
A wie Athletiklager:
Ein Trainingslager in dem sehr viel Sport gemacht wird, aber eben nicht rudern. Geht extrem gut im Ferienclub auf Lanzarote, weil man da alle möglichen lustigen Sportkurse buchen kann.

B wie Bicicleta:
Das quitschgrüne Leihexemplar muss jeden Vormittag stundenlang geritten werden.

C wie Canarios:
Der spanische Begriff steht nicht nur für die auf den Inseln beheimateten bunten Vögel, sondern auch für die menschlichen Bewohner der Inseln. Menschlich ist hier durchaus in beiderlei Hinsicht gemeint - ein sehr nettes Völkchen. Da ist zum Beispiel der Kellner, der mir morgens ungefragt noch einen doppelten Espresso bringt, weil ich wohl noch ziemlich langsam aus der Wäsche gucke und das Zimmermädchen, dass mich mittags wieder ins Bett schickt, nachdem sie mich wachgeklingelt hat und dann ganz leise die Handtücher im Badezimmer wechselt.

D wie dreiundzwanzig Grad im Schatten
Die fühlen sich dann doch sehr viel wärmer an, wenn es einfach gar keinen Schatten gibt. Die Langarmshirts hätte ich wirklich zu Hause lassen können.

E wie eigenes Tempo
Das einzige Tempo in dem man Berge hochfahren kann.

F wie Fußball:
Auch ein Sport, den man hier machen kann. Passt prima zwischen Kraftgymnastik und Zumba und kann vom ganzen Team zusammen gespielt werden. (Wenn man Judith heißt auch ganz gern mal mit dem Arm….)

G wie grün
Selten zu entdecken in der Lavawüste

H wie Hunger
Ich glaube, so viel wie hier habe ich noch nie gegessen, ohne dabei zuzunehmen.

I wie "ich fahr schon mal vor, ihr holt mich ja eh ein"
Führt aus meinem Munde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit NICHT dazu, dass ich eingeholt werde - ganz einfach deshalb, weil ich schon davor irgendwo falsch abbiege. Ohne Orientierungssinn sieht man eben viel mehr von der Welt!

J wie Julia:
An die geht ein riesenfettes Dankeschön für ihren Einsatz bei unserer ersten langen Radeinheit. Da ist mir irgendwann Konzentration und Puste ausgegangen. Sie hat sich dann mit mir zusammen hinter die Gruppe zurückfallen lassen, ihre letzte Banane mit mir geteilt und das nächste Teilstück mit mir in meinem Tempo gemeistert.
Stellvertretend gilt das auch für alle anderen, die mich motivieren, weiterzufahren wenn ich mal aus der Puste komme, oder in deren Windschatten ich auch die übelsten Streckenabschnitte irgendwie gemeistert bekomme.

K wie Kreisverkehr
Wenn es die Dinger nur mal bei uns in Deutschland geben würde wäre ich bestimmt morgens viel schneller bei der Arbeit! Ampeln gibt's hier jedenfalls nur, um Leute zu bremsen, die mit über 50 Sachen durch Ortschaften brettern wollen (macht man ja auch nicht… außer es geht gerade bergab…)
L wie Lanzarote

M wie Mondlandschaft:
Treffendste Beschreibung, die mir für die vulkanische Wüste im Inselinneren einfällt. Kann sehr beeindrucken, wirkt aber nach spätestes 30 Kilometern auch gerne mal ziemlich eintönig und trostlos.

N wie Nachmittag, freier
Was in Ratzeburg normalerweise auf schlafen, gammeln oder nach Hamburg flüchten hinausläuft, wird hier mit Surfen, Body Pump und Stand-Up Paddling gefüllt. Wahnsinn, 23 Sportler machen FREIWILLIG mehr als auf dem Trainingsplan steht.

O wie "ooops, ich trage ja noch meinen Helm!"
Kann beim Mini-Triathlon schon mal passieren, wenn man es schnell vom Rad auf die Laufstrecke schaffen möchte. Jedenfalls rocken wir Ruderer die Veranstaltung: Lars, Julius und Marcel belegen die Medaillenränge bei den Männern und Marie, Julia und Fini belegen die Podestplätze bei den Frauen
Beim Mini-Trithlon


P wie Po:
Tut höllisch weh. Genauso wie der Rest des Körpers.

Q wie Qi Gong
Auch mal eine Erfahrung wert.

R wie Regen
Führt das einzige mal, als er in den 2 Wochen fällt, für kurze nächtliche Irritationen des Sportlers, der seine Matratze auf den Balkon gelegt hat.

S wie Siesta:
Leider viel zu oft vom Baulärm gestört

T wie Trainingsprotokoll
Platzt bei ungefähr 5h Sport am Tag aus allen Nähten. Auch weil man beim Eintragen von Qi Gong, Zumba und Paddeln schon mal kreativ werden muss.

U wie Urlaubsfeeling
Kommt tatsächlich trotz des straffen Sportprogramms auf. Ich habe ja so gar keine Lust, ins 9 Grad kalte, regnerische Hamburg zurückzukommen…
V wie Vino
Wird auf der Geria auf sehr spezielle Weise angebaut: Die Landschaft ist dort dick mit unfruchtbarer Vulkanasche bedeckt. In diese wurden tiefe Löchern gegraben, und in deren Mitte in den fruchtbaren Boden jeweils eine Weinrebe eingepflanzt. Die Vulkanasche dient nun als Verdunstungsschutz, eine zusätzliche Mauer um jedes Loch als Windfang.

W wie Wind
Passat, um genau zu sein. Führt - insbesondere in Kombination mit "bergauf" dazu, dass man sich fragt ob's nicht schneller gehen würde wenn man absteigt und schiebt und trägt kein bisschen zur Abkühlung bei.

X wie X-Fit
Was für Normalos anstrengendes Krafttraining darstellen soll war für Marie "ganz nett zum Aufwärmen vor dem Entspannungskurs."

Y wie Yoga
Sehr entspannendes Ganzkörpertraining. Fast so schön wie aerial Pilates.

Z wie Zumba:
Haben wir tatsächlich auch mal ausprobiert. Und ja: "Judith versucht, Zumba zu tanzen" sieht noch komischer aus, als man sich "Judith versucht, Zumba zu tanzen" vorstellt. Ich bin einfach eine Koordinative Null. Deshalb mach ich ja sonst auch den Sport, bei dem man nur eine Bewegung ganz oft machen muss. Liegt mir besser. Allerdings bin ich wohl lernfähig - die zweite Einheit ging schon besser…


Judith trainiert... mit den ganz Großen


-garniert mit ein paar Impresionen vom ersten freien Nachmittag in Avis-

Annekatrin Thiele, Lars Hartig, Marcel Hacker, Marie-Louise Dräger.
Die Teilnehmerliste für das Trainingslager in Avis liest sich wie eine Aufstellung des who-is-who des deutschen Skullteams. Und ich ganz unten, am Ende der Liste unter all den Stars steht mein Name.
Wer bekannt ist, über den wird viel geredet. Und oft nicht viel Gutes. Ich habe schon die seltsamsten Stories über Marie-Loise Dräger und Marcel Hacker gehört, wie die angeblich „drauf sind“ bevor ich sie auf dem Regattaplatz zweifelsfrei erkennen konnte - und das anfänglich auch eher am Einteiler als am Gesicht.

Ich bin zwar noch ein kleines Licht, aber irgendwelche Gerüchte haben es doch bis nach Rostock geschafft. Als Marie mich darauf anspricht, was sie vom Hörensagen so über mich mitbekommen hat merke ich das erste Mal, wie weit eine unbedachte Äußerung reisen kann. Und über drei Ecken erzählt von Leuten die einen nicht im geringsten kennen und die einen folglich auch nicht zu mögen brauchen kommen da dann doch komische Sachen bei raus.

Zum Glück haben wir hier ja die Möglichkeit uns näher kennen zu lernen und sind auch bereit dazu, uns gegenseitig die Chance zu geben. Und schnell stelle ich fest: Ruderstars sind auch nur Menschen. Jeder hier ist seinen ganz eigenen Weg gegangen. Jeder bekommt es mal besser, mal schlechter hin, das was er außer Rudern noch so tut mit dem Training unter einen Hut zu bekommen. Bei keinem habe ich das Gefühl, er hätte sich nicht überlegt, was er denn noch anfangen will mit seinem Leben. Jeder weiß, dass es keinen Anspruch auf einen Platz im Boot gibt.

Die Gespräche am Abendbrottisch drehen sich um ganz alltägliche Dinge: „Wie lang studierst du jetzt eigentlich noch?“ - „Was machst du da genau bei Airbus?“ - „Mein Sohn will zu Weihnachten unbedingt eine Trommel haben.“ Abends sitzen wir in der Lobby und spielen Karten.

Und beim Training ist Marie eine der geduldigsten Partnerinnen, die ich je gehabt habe. Und das, obwohl sie schon ihre ersten internationalen Erfolge hatte als ich noch nihct mal wusste, wie ein Ruderboot aussieht. Sie erklärt mir, was ich nicht verstehe vom Trainerkauderwelsch und gibt mir die Chance, an meinen Fehlern zu arbeiten. Und lacht dabei ganz viel.

Judith trainiert... Fanpost beantworten

Lang nichts mehr gehört von mir, ich weiß... Hauptsächlich liegt das daran, dass ich Posts der letzten Wochen gut mit "Judith trainiert Löcher zugipsen, Wände streichen und Möbel aufbauen" hätte titulieren können. Jetzt ist die Bude aber soweit halbwegs benutzbar (der Ofen stellt grade seine Funktionstüchtigkeit mit einem Blech Nussecken unter Beweis) und ich komm mal wieder dazu, mich an den Schreibtisch zu setzen. Da wartet nämlich noch eine Aufgabe für mich:


Vor ein paar Wochen hatte jemand einen Brief an meinen Spind gepinnt, kurze Zeit später folgte der zweite Brief dieser Art. Beide waren sie von älteren Herren geschrieben worden. Ich glaube, ich muss sie schon allein deshalb aufheben, weil ich noch nie im Leben so unglaublich höflich um etwas gebeten worden bin.

"Ich hoffe sehr, dass Sie Zeit finden, mir meine Bitte zu erfüllen. Für Ihre Mühe danke ich Ihnen im Voraus"

Beide hatten sie sich das Foto von meinem Rudern.de-Profil  ausgedruckt und wollten doch tatsächlich ein Autogramm von mir.

Ein Autogramm. Von mir???

Es waren beide Dinge, die leichtes Befremden in mir weckten. Als jemand, der die letzten vier Wochen damit zugebracht hat, Dinge wegzuwerfen, die die letzten paar Jahre nun auch echt nicht benutzt worden sind (zu welchem Gerät gehörte wohl dieses Ladekabel mal..?) tue ich mir ein bisschen schwer damit, zu verstehen, warum manche Menschen Dinge sammeln. Dazu noch einfach Zettel mit Unterschriften drauf. Mit Unterschriften von Leuten wie mir, dem netten Mädchen von nebenan. Okay, ja, ich mach ein bisschen mehr Sport als du, aber nein, ehrlich, das ist nicht so wild....

 Na gut, sie haben ja echt lieb gefragt, die Bitte möchte ich Ihnen nicht ausschlagen. Dummerweise mag ich mich so gar nicht auf dem Foto, das der DRV da auf seiner Homepage hat... also bin ich doch nochmal losgegangen um Fotos auszudrucken. Zum Glück gab es ja vor der WM noch einen offiziellen Fototermin. Um die Verspätung auszugleichen, gibt's noch ein Autogramm von Markus dazu, der hat ja schließlich auch gewonnen. Noch ein paar persönliche Worte dazu, und dann ab in den beiliegenden Rückumschlag und zur Post.


Answering fan mail

Hey there, I'm back... As my new flat is finally more or less habitable, I can come back to what has been lying around on my desk for the past few weeks:
I have received two letters from elderly men (my goodness, I've never received such a polite request!), asking me for an autograph.

Me? For an autograph??

It's both things that make me confused. First, that there are people who seriously collect pieces of paper with signatures. (Especially strange when considering how much time I've spent during the last weeks with throwing away things that I definitely never used during the last four years...)
Secondly, an autograph from  me, the nice young woman living next door? Yeah, well, okay, I do some more sports than you, but is there anything about it? I mean, it's my hobby, just as you might play the guitar, or paint, or dance. Or collect autographs. Okay guys... Of course, you will get an answer. In the end, I am happy about each supporter, and everybody just has his or her own way of showing interest.

Sätze, die ich nie wieder hören möchte

Die Zeitschrift Neon hat seit einer Weile eine ganz wunderbare Rubrik: Menschen erzählen, welche Sätze sie nie wieder hören möchten. Meine persönliche Liste.

Du trainierst bestimmt ziemlich viel. So vier mal in der Woche, oder?


Sie sind ja noch jung. Da ist Ihnen die Karriere doch sicher wichtiger als der Sport.


Als Vegetarier bekommt man doch nie genügend Eiweiß, um sportliche Leistungen zu bringen.


Musst du immer deine eigene Waage mit zur Regatta bringen?


Wenn Sie fürs Trainningslager frei brauchen, können Sie ja auch Gleitzeit aufbauen. Sie dürfen bis zu zehn Stunden am Tag arbeiten!


Warum bist du denn nicht Profisportler geworden?


Ich fahre auch gerne Kanu.


Lauf zwischen den Meeren oder: von Fleckeby nach Gammelby in 40 Minuten

Meine Kollegen sind sich einig: "Judith ist doch voll fit, die muss dieses Jahr auf jeden Fall mitmachen" - "Du läufst sicher total schnell"
Aussicht vom Frühstückstisch

Also habe ich mich auf der Liste am schwarzen Brett eingetragen: Name: Judith Anlauf, Abteilung: M3, Bemerkungen: Vorbehaltlich Regattaplanung. Damit bin ich dabei, beim Lauf zwischen den Meeren. Von Husum geht es über 10 Etappen und knappe 97km an die Ostsee nach Damp. Schnell stelle ich bei unseren Vorbereitungstreffen fest, dass meine Kollegen echte Profis sind. Generalstabsmäßig wird geplant, wer aufgrund seiner geschätzten Laufgeschwindigkeit wann an welchem Wechselpunkt ist, und welcher Bus genommen werden muss, um rechtzeitig den Staffelstab entgegennehmen zu können. Meine Zeit wird von meinen Kollegen auf eine 4:30min/km geschätzt, was mir in Anbetracht der Tatsache, dass mein Halbmarathon-erprobter Kollege nur eine 4:45 laufen will dann doch verdammt fix vorkommt...

Freitag nachmittag geht es dann gleich von der Arbeit aus los nach Damp, wo wir unser Basislager in einem Ferienhaus aufschlagen. Ich werde der Geschlechtertrennung halber ausquartiert und schlafe mit zwei Kolleginnen, die in einem anderen Team starten in einer Hütte auf dem nahegelegenen Campingplatz. Nicht ganz so cool wie das Haus der Jungs, dafür aber direkt am Strand.

Freitag abend gibt's noch Nudelparty für alle Sportler und wir gehen nochmal Streckenverteilung und Busfahrpläne durch. Einer meiner Mitstreiter ist leider ausgefallen, so dass ich statt der letzten Strecke seine Strecke - von Fleckeby nach Gammelby - übernehme. Jörn muss die erste und die letzte Strecke laufen.

Während ich noch am Frühstückstisch sitze und so langsam doch nervös werde (und das obwohl der Lauf auf der Wichtigkeitsskala für mich irgendwo in der Größenordnung des Schwimmfests rangiert) ist Jörn schon unterwegs nach Husum.
Er und Simon, unser zweiter Läufer, legen ordentlich vor und unser Timekeeper kann vermelden, dass wir knapp 10 Minuten vor dem Plan liegen, als er mich kurz vor meinem Start anruft. Ich stehe in Fleckeby auf dem Sportplatz. Es ist ein Uhr mittags und ich kann mir aussuchen, ob ich lieber in der Sonne oder im Matsch warten möchte. Ich gebe meine Tasche im Zelt ab und hoffe, dass sie auch wirklich nach Gammelby transportiert wird, dann stelle ich mich in die Wechselzone und warte ungeduldig darauf, dass ein blaues T-Shirt mit Glatze um die Ecke gebogen kommt. Tom drückt mir dem Staffelstab in die Hand, gibt mir einen Schubs und dann bin ich auch schon unterwegs auf meiner Etappe. Erst geht es über sandige Feldwege am See vorbei. Ich habe Mühe, einen Rhythmus zu finden und bekomme Seitenstechen. Blos nicht unseren Vorsprung kaputtgehen lassen.
Es ist schwül und ich habe das Gefühl gar keine Luft einzuatmen, sondern einen stinkenden, feuchten Brei. Es geht auf die Straße, und von hinten Schnauft eine Läuferin auf mich zu. Ich versuche, gegenzuhalten, bekomme aber wieder nur Seitenstechen. Zwei andere Läufer kann ich unterwegs noch überholen, dann taucht vor mir endlich das 1km-Schild auf. Ich versuche, nochmal schneller zu laufen. Ich laufe durch das Dorf auf die Wechselzone zu, die Anwohner feuern mich an. In der Wechselzone stehen gefühlte zehn Leute in blauen Airbus-Shirts. Ich Renne stumpf an Johannes vorbei, er reisst mir den Staffelstab aus der Hand und rennt los. Etappe geschafft. Meine Tasche ist tatsächlich angekommen, so dass ich kurze Zeit später im Basislager anrufen kann: Übergabe ungefähr 14:05, ich habe tatsächlich die 4:30 geschafft.

Mit dem Bus geht's zurück nach Damp, mit dem Rest des Teams laufen wir zum Hafen und warten auf Jörn. Die letzten Meter laufen wir alle gemeinsam. Platz 26, in 6:55 Stunden. "Das ist 40min schneller als letztes Jahr" freuen sich meine Kollegen. Und für mich steht fest: Nächstes Jahr bin ich wieder dabei!



Judith trainiert... gegen das Sommerloch

Airbus Operations S.L, 7 Uhr. Seit einer Woche muss ich mich morgens nicht mehr zwischen all den Bussen durchschlängeln, die die knapp 3000-Köpfige Belegschaft zur Arbeit bringen. Im Büro angekommen muss ich erstmal das Licht anmachen, die anderen beiden Übriggebliebenen kommen ein paar Minuten später.
Es ist Urlaubszeit in Madrid.
Nachmittags geht es nicht wie gewohnt an den Rio Manzanares, denn auch Félix ist an die Küste gefahren und das Bootshaus bleibt geschlossen.
Zum Rudern bleibt mir entsprechend nur der Stausee in Valmayor, wo ich nun glegentlich auch unter der Woche hinfahre.
Ansonsten nutze ich die Zeit am Nachmittag, um mich dem nervigen Teil meiner Arbeit zu widmen: Neben der praktischen Forschung muss ja auch noch eine Thesis verfasst werden. In meinem Hirn hat sich inzwischen ein großes Knäuel mitenander vernezter Informationen in drei Sprachen gebildet. Die Kunst ist jetzt, den ganzen Krempel geordnet und auf Englisch zu Papier zu bekommen.
Die am besten geeignete Form für die Thesis wäre meiner Meinung nach ja eine begehbare Kunstinstallation, oder eines dieser Abenteuerbücher (wenn du wissen möchtest, warum dieser Ansatz nicht funktioniert hat, lies weiter auf Seite 17. Möchtest du stattdessen wissen, was wir noch alles ausprobiert haben, lies weiter auf Seite 25.) Leider stehen diese Optionen von Seiten der Hochschule nicht zur Debatte.

Um mich ein bisschen aufzumuntern, schaue ich gelegentlich, was die anderen so tun: Konstantin, den ich noch von der U23-WM letztes Jahr kenne, und sein Zweierpartner Lars starten Ende August bei der WM in Südkorea. Die beiden sind gerade fleißig dabei likes und follower zu sammeln. Ich drücke jedenfalls alle verfügbaren Daumen!

Madrid se mete en la yola.

Neben der Art zu Rudern, wie wir sie aus Deutschland kennen, die hier in Spanien auch als Remo Olímpico bekannt ist, werden in Spanien auch noch zwei andere Ruderarten praktiziert: insbesondere im Baskenland ist das Festsitzrudern (Remo con banco fijo) sehr weit verbreitet.



Hier in Madrid geht es für die Sportler nach der spanischen Meisterschaft in die Yola (auf Englisch Inrigger). Das sind Riemenboote mit beweglichem Sitz, die so breit sind, dass sie nur minimal kleine Ausleger haben. Die zwei, vier, oder acht Ruderer sitzen leicht versetzt, aber immernoch hintereinander im Boot. Die Rennen in den Yolas sind mehrere tausend Meter lang, werden aber auf 250-500m langen Strecken ausgetragen. Damit kommt dem Steuermann eine wesentlich entscheidendere Rolle zu als bei den meist schnurgeraden Strecken des olympischen Ruderns. Viele Rennen, so hat man mir erzählt, werden in dieser Bootsklasse an den Wenden entschieden. Trainingstechnisch sind in diesem Fall dann wohl auch unsere madrillenischen Pfützen- und Tümpelruderer stark im Vorteil :-P




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