Alles im Takt

Nach der ersten Trainingseinheit heute morgen konnten wir dann doch alle wieder lachen - unser anfänglicher Tausendfüßler mit Backborddrall ist einem runden, gut laufenden Trainingsschlag gewichen - jetzt müssen wir das ganze nur noch auf Frequenz bringen...

Das Training hatte ende letzter Woche mit einer sehr unerfreulichen Nachricht begonnen: Leonie und Wiebke sind auf der U23-WM "nur" siebte geworden (jeder der das schlecht findet: macht das erstmal nach), und außerdem waren unserer Trainingsbelastungen vor ein paar Wochen in Ratzeburg (in unserer zweiten gemeinsamen Rudereinheit) doch noch ziemlich langsam. Deshalb haben die zuständigen Bundestrainer beschlossen, unsere endgültige WM-Teilnahme von unserem Ergebnis im Relationsrennen (also der Abschlussbelastung im Trainingslager) abhänging zu machen. Wir fühlen uns ziemlich veralbert, nicht zuletzt deshalb, weil wir sowieso eine selbstzahlende Bootsklasse sind (das Argument "lohnt sich nicht" zieht also nicht wirklich). Na ja, das leben ist hart, aber ungerecht, aber im Grunde genommen wissen wir alle, dass wir gute Ruderer sind und dass wir es verdient haben, zur WM mitgenommen zu werden. So'n blödes Relationsrennen wird uns da nicht aufhalten.

Markus hat uns nochmal umgesetzt - anders als vor ein paar Wochen in Ratzeburg, als ich noch auf Schlag saß, sitzt jetzt Leonie auf Schlag, dann Wiebke, dann ich, und Katrin bleibt im Bug. Für mich, als klassische Bug- oder Schlagfrau, ist der Platz im Maschinenraum noch ziemlich gewöhnungsbedürftig - nicht nur, weil ich ständig vergesse, dass ich das Kommando habe... Aber der Bootsdurchlauf scheint Markus Recht zu geben.
In welche Richtung kippt's denn nun? Katrin und ich sind uns da uneins.. //What direction are we tilting to? Katrin does not share my opinion...
Und die ersten paar Trainingseinheiten in neuer Besetzung sind sowieso selten die pure Freude - alle haben ständig das Gefühl, nicht hinterher zu kommen, das Boot schaukelt oder hängt gleich permanent auf eine Seite, und statt vorne das Wasser sanft zu greifen und das Boot mitzunehmen, lösen wir in der Auslage erstmal einen Parkschein, um wieder von Null anzufangen...

Markus lässt uns stundenlang so fiese Übungen wie Pausenschläge, Luftschläge, Rudern ohne Schuhe und Rudern mit geschlossenen Augen machen (gerne auch alles in Kombination), so dass wir meistens heilfroh sind, wenn wir wieder aussteigen dürfen. Aber, was soll ich sagen: effektives Training ist, wenn man den Trainer nicht erst nach, sondern schon während des Trainings umbringen möchte. Und offensichtlich funktioniert es ja....

 

Finding the right rhythm


Our first rowing session this morning ended with four confident smiles - in less than five days, the millipede-style rowing is overcome, and we have developed a common understanding for the structure of the stroke at training speed. Race speed will follow, I'm sure.


Training for the world championships had started with unpleasant news for us: Wiebke and Leonie have "only" made the seventh rank on the under 23 year old world championships, and our training races some weeks ago (in our second training unit as a team) were still a bit slow. Because of that, the responsible coaches of the german rowing federation will wait for our so-called "relation race", the final test race against the clock, to finally decide if they will let us start on the world championships or not. Sometimes, these guys are a riddle to me... in the end, we're a self-paying boat, so letting us start would mean in the worst case a disgrace for the rowing federation at zero financial impact.
Despite we're all quite angry about this withdrawal of confidence we're eager to show that we are a strong team and we are worth being sent to Amsterdam!

Markus has rearranged our positions in the boat - different to our first training weekend, where I was on stroke, it's now Leonie on stroke, then Wiebke, then me, and Katrin in the bow. For me, sitting in the "engine room" of the boat is a completely new experience - before, I was always either on stroke or in the bow.  I still keep forgetting to give the commandos...

The first trainings in a new team are always hard - everyone feels stressed, the boat is rocking and instead of smoothly gripping the water on the attack, you're buying a parking ticket in each stroke...
Markus makes us row the most mind-boggling exercises he can find: rowing with closed eyes, without shoes,  varying stroke rates every couple of minutes, with breaks in the stroke, air strokes... and of course everything in combination! Absolutely exhausting, but obviously efficient...

Geburtstagsausflug mit Katmarman

Dieses Wochenende sind cruise days in Hamburg, mit ganz vielen Kreuzfahrtschiffen, und der besonderen Blue-Port Aktion - die Kräne des Containerterminals, einige Schiffe, viele Brücken und auch die Elbphilharmonie sind ganz in blau beleuchtet. Zeit für einen kleinen Ausflug...
Einige meiner Vereinskameraden treffen sich abends um halb zehn für dieses besondere Spektakel nochmal zum Rudern, wir bevorzugen nach 34km Rudern plus Krafttraining dann doch die gemütliche Variante: zu sechst auf Markus' Katamaran und ab in den Hafen! Am Containerterminal vorbei geht's in richtung Köhlbrandbrücke, die zu unserer Enttäuschung gar nicht blau erstrahlt... erst als wir drunter duch sind stellen wir fest, dass das mal wieder ein Fest für die Bewohner des Nordstrands ist: die Brücke ist nur einseitig beleuchtet. Wir folgen dem Köhlbrand bis zur Einmündung in die Norderelbe und staunen nicht schlecht: auf der Elbe herrscht dichter Verkehr. In beide Richtungen fahren mehr oder weniger blau beleuchtete Gefährte vorbei: wir sehen viele Hafenfähren, zwei Kreuzfahrtschiffe, ein riesiges Papierboot, einen Schaufelraddampfer, einen Schwimmkran und sogar die Cap San Diego wird von zwei Schleppern in Richtung Nordsee bugsiert. Wir beschließen, uns da mal lieber nicht mit unserer Nussschale einzureihen und treten den geordneten Rückzug durch die Ellerholzschleuse, in den Reiherstieg, vorbei am Spektrum-Festival, für das der Rethespeicher in buntes Licht getaucht ist.


A birthday trip with the catamaran

This weekend, the cruise days take place in the port of Hamburg - with lots of cruise liners, a big firework and the special blue port lightshow lighting up several bridges, ships, container terminals and the new opera house. Best conditions for a small trip...

Some of my club mates meet at the rowing club in the late evening to row to the port and watch the spectacle. We decide not to go rowing again after the 34km rowing plus 1h weight training we have already done, and take a comfortable seat on Markus' catamaran.



Way down the Süderelbe, we pass by the huge container ships, cross the Köhlbrand Bridge (only 53m height this evenening - take care of your heads!) and stop at the Elbe. We're astonished by what's passing by: Ferries, cruise liners, a huge origami paper boat, a floating crane, a paddle steamer and also the Cap San Diego  (honestly, I was not aware it can still move). We decide not to join the parade with our nutshell and return back through our usual training ditrict, the Reiherstieg, passing by the Spektrum-Festival, for which the silos at the Rethe Bridge are illuminated with colorful patterns.

Judith trainiert... endlich im Doppelvierer


Eigentlich wäre ja Weltcup gewesen... also, bevor es da Missverständnisse gibt: der Weltcup in Luzern hat stattgefunden, leider aber ohne uns, denn wir hatten nur eine Gegenmeldung.

Stattdessen haben Katrin und ich uns dieses Wochenende aufgemacht nach Ratzeburg, um Wiebke und Leonie in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung für die U23-WM zu besuchen. Im Gepäck hatten wir neben einem Satz schwarz-rot-goldener Skulls auch einen fabrikneuen Doppelvierer.
Der musste dann zunächst von ein paar Kilometer Frischhaltefolie (nicht dass er schlecht wird) und Klebeband befreit werden, dann ging's ans aufriggern. Auf irgendeinen Standard-Sportlertyp ist so ein Boot ja immer ausgelegt, leider sind die Sportlerinnen irgendwie nie so richtig standardisiert... also für mich die Schuhe ein paar Zentimeter hoch, für Leonie alle verfügbaren Keile unter den Ausleger bauen, bei Wiebke den Ausleger ganz nach hinten, dass Platz ist für die langen Gräten und im Bug noch flugs den extra hohen Wellenbrecher montiert, damit Katrin nicht nass wird. Wir hatten nämlich auch gleich bestes Ratzeburg-Wetter (ich berichtete)...
Schönstes Ratzeburger Wetter (wie man unschwer an Katrins Frisur erkennen kann)
Damit es uns nicht langweilig wird sind wir am Samstag auch gleich die Belastungen mitgefahren. Anfangs war's noch etwas rumpelig, aber wir konnten uns von Strecke zu Strecke steigern. Auch die darauf folgenden Einheiten liefen gut, so dass wir am Sonntag zufrieden aus dem Boot steigen konnten.

Für Leonie und Wiebke geht es dann ende Juli erstmal im Doppelzweier zur U23-WM nach Varese (Daumen drücken und angucken!), Katrin schreibt noch ein paar Klausuren, ich geh brav arbeiten und such mir 'ne neue Wohnung, und dann geht's ab ersten August richtig los mit WM-Vorbereitung! Ich halte euch auf dem Laufenden...




Sätze, die ich nie wieder hören möchte

Die Zeitschrift Neon hat seit einer Weile eine ganz wunderbare Rubrik: Menschen erzählen, welche Sätze sie nie wieder hören möchten. Meine persönliche Liste.

Du trainierst bestimmt ziemlich viel. So vier mal in der Woche, oder?


Sie sind ja noch jung. Da ist Ihnen die Karriere doch sicher wichtiger als der Sport.


Als Vegetarier bekommt man doch nie genügend Eiweiß, um sportliche Leistungen zu bringen.


Musst du immer deine eigene Waage mit zur Regatta bringen?


Wenn Sie fürs Trainningslager frei brauchen, können Sie ja auch Gleitzeit aufbauen. Sie dürfen bis zu zehn Stunden am Tag arbeiten!


Warum bist du denn nicht Profisportler geworden?


Ich fahre auch gerne Kanu.


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