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Judith trainiert... den Widrigkeiten zum Trotz

Jeder Trainer hat sein Prinzip, sein Mantra, dass er seinen Sportlern weitergibt, und das man als Sportler so oft gehört hat, dass es einem eigentlich schon in Fleisch un Blut übergegangen sein sollte. Man braucht es dann nur noch umzusetzen. Ganz einfach.

Da ich inzwischen schon den zweiten langfristigen Heimtrainer habe, gibt es da natürlich auch zwei Ruderwahrheiten in meinem Kopf. Groß geworden bin ich mit:
Rudern muss Spaß machen.
Meinem ersten Trainer wäre es nie in den Sinn gekommen, mir vor einem Rennen viel Glück (wenn man das braucht, dann kann man es eh lassen) oder viel Erfolg zu wünschen. Ich bekam immer ein "viel Spaß" mit auf den Weg. Deshalb stehe ich noch heute breit grinsend auf dem Regattaplatz und freue mich darauf, dass ich gleich ein Rennen fahren darf.

Der zweite wichtige Satz in meiner Karriere ist:
Die erst Pflicht des Athleten ist, gesund zu bleiben.

Ich bin der festen Überzeugung, dass beide Sätze unglaublich wichtig sind. Würde es keinen Spaß machen, sollte ich es lassen. Wer krank ist - oder Gefahr läuft, krank zu werden, sollte nicht trainieren. Keine Goldmedaille der Welt ist es wert, seine (körperliche wie geistige) Gesundheit aufs Spiel zu setzen.

Und doch ist es manchmal unglaublich schwierig, diese Grundsätze einzuhalten.

Es gibt einfach diese Wochen, in denen alles drunter und drüber geht. Das Management hat gewechselt, ich habe es mal wieder geschafft, im ersten Kontakt einen positiven Eindruck zu hinterlassen und bin plötzlich mit ganz neuen Erwartungshaltungen konfrontiert. (Fragt mich nicht, wie ich das mal wieder hinbekommen habe. Bisher weiß er nur, was ich studiert habe und welche Themen ich bearbeite. Dass ich rudere, und was ich für meine Zukunft plane weiß er noch gar nicht.) Nichts fällt mir schwerer, als Menschen, die ein positives Bild von mir haben, zu enttäuschen. Und plötzlich sitzt man dann mal eben 9 Stunden im Büro und bereitet ein Projektreview vor, dass man dann doch nicht halten darf. Jetzt, wo wir sowieso nicht mehr draußen trainieren können, ist es ja auch egal, wenn ich eine Stunde später trainieren gehe, oder?
Und dann stehe ich im Kraftraum und möchte eigentlich nur noch ins Bett. Und das nicht nur einmal.

Aber es geht nicht. Ich MUSS trainieren. Am ersten Advent ist Ergotest und Langstrecke und ich werde gut sein müssen. Nicht Judiths-Durchschnitt-gut sondern RICHTIG gut, denn nächstes Jahr werden wir wohl keinen A-Kader mehr haben und drei der vier B-Kader Plätze sind wohl schon an die 2 Olympionikinnen nebst Ersatzfrau vergeben. Wenn Leo oder Katrin oder jemand anderes einen guten Tag erwischt, könnte es das gewesen sein mit der Sportförderung für's nächste Jahr. Also ran an die Eisen.
Soviel zum Thema "Rudern macht Spaß."

Der zweite Satz ist ungleich schwieriger einzuhalten, insbesondere dann, wenn man das Gefühl hat, sowieso schon zu wenig zu trainieren.
Ruf' mal deinen Trainer an und sag: "Ich komm' heute nicht, ich kann die Augen kaum noch offen halten." Das kratzt ganz schön am persönlichen Stolz. Alle anderen schaffen es ja auch. Denkt man sich so. Und dann sitzt man in der Kinopremiere von "DIE NORM - ist dabei sein wirklich alles?" und stellt fest: ein Sportlerleben ist ein ständiger Drahtseilakt zwischen Wollen und Können. Nicht nur bei mir.

Am Freitag wollte ich dann auch mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Habe es auch probiert und dann doch lieber sein lassen. War eher so Eislaufen auf 2 Rädern. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir jemals einen so kalten November hatten. Obwohl ich zugeben muss dass Schnee auf grünen Laubbäumen ziemlich cool aussieht...
Was ist falsch auf diesem Foto? Genau, es ist November.
Die Langstrecke in Mölln (die wir zur Vorbereitung auf den Kadertest nutzen wollten) ist tatsächlich auch witterungsbedingt abgesagt worden. Trotzdem habe ich natürlich versucht, rudern zu gehen. War nicht auszuhalten gestern. (Nebel, -5°, Wind, lange Ruderklamotten + Schwimmweste). Selbst Markus' Katamaran weigerte sich, loszufahren.
Heute (-1°, Thermohose, Thermoshirt, Skisocken, Buff, Mütze, Einteiler, winddichtes Shirt, T-Shirt, Weste) ging es dann halbwegs. Um die ausgefallene Langstrecke zumindest etwas zu simulieren, bin ich gemeinsam mit den anderen Hamburger Sportlern 4km auf der Regattastrecke gefahren. War am Anfang ziemlich kabbelig, aber am Ende sorgte die Tatsache, dass ich den vor mir gestarteten 2er-ohne noch überholen konnte, für einen gewissen Motivationsschub... und da war er wieder, der Spaß an der Sache.

Sturmflut rückwärts

Die Katastrophen von heute sind die guten Geschichten von morgen.

Die letzten beiden Tage sind sehr anstrengend gewesen. Am Donnerstag morgen um vier habe ich mich auf den Weg nach Augsburg zu einer internen Konferenz gemacht. Ich habe viele interessante Vorträge gehört, diskutiert und Vesrsuchs-Fertigungslinien bestaunt. Ich habe meinen riesigen Miet-Astra mit viel Fluchen und in noch mehr Zeit irgendwie in dieses winzige Hotel-Parkhaus gezirkelt. Geschlafen habe ich wenig und um Sport zu machen fehlte die Zeit.

Vorsichtig taste ich mich Schritt für Schritt die Rampe zum Steg runter. Es ist feucht und die Rampe ist entsprechend glatt. Außerdem geht es verdammt steil runter. Nur nicht das Boot fallen lassen. Ich kann nur ganz vom Ende des Steges ablegen, da ist das Wasser immerhin noch knappe 30cm tief. Ich denke mir nicht viel dabei - wird bestimmt bald wieder auflaufen.
Ich bin müde. Nicht so "heute fühle ich mich ein bisschen schlapp" - müde sondern "lass mich bitte SOFORT wieder in mein Bett die Welt da draußen vertrage ich in meinem Zustand nicht" - müde.

Passenderweise stehen heute 3x 750m Vollgas auf dem Trainingsplan. Es kommt selten vor, dass ich keine Lust habe zu rudern, aber heute ist so ein Tag. Bei jedem Wort von Markus wünsche ich mir einfach nur, dass er die Klappe hält. Ich fahre eine der Strecken. Läuft verdammt scheiße. War auch zu erwaten. Wir beschließen, heute mal nur Grundlagenausdauer zu machen und restlichen Strecken vielleicht doch lieber morgen zu fahren, wenn ich ein bisschen ausschlafen konnte.

Der Rest der Einheit läuft den Umständen entsprechend ganz okay, aber die letzten paar Meter zur Schleuse hin kämpfe ich doch sehr mit dem Ostwind. Kurz vor der Schleuse sehe ich, wie Markus hinter mir das Handy zückt. Nanu, denke ich mir, der ist heute aber ungeduldig. Normalerweise warten wir dann doch ein bisschen, ob uns die Schleusenbediener nicht doch noch auf dem Radar erkennen. Ich drehe mich um und stelle fest, dass die beiden roten Lichter auf der Schleusenampel übereinander sind. (Das bedeutet Schleuse gesperrt.)
Offenbar ist der Wasserstand so niedrig, dass nicht mehr geschleust wird. Leider macht der Schleuser (Markus ist fest davon überzeugt, dass wir heute den Kollegen Erbsenzähler erwischt haben) auch keine Ausnahme für Boote mit weniger Tiefgang. Markus wirft einen Blick in den Tidekalender und stellt fest, dass das Wasser noch etwa eine halbe Stunde lang abläuft.

Zur Illustration... (Quellen: ibabahn.de, bsh.de)
Die Variante "Umtragen" verwefe ich recht schnell wieder. Erstens habe ich wenig Lust, barfuß über die Büschung zu kraxeln, zweitens Angst um mein Boot und drittens kann ich davon ausgehen, dass der Steg sowieso die nächste Dreiviertelstunde noch auf dem Trockenen liegt. Also ab über die Elbe. Sind ja nur 11km Umweg... Immerhin ist die Tide am kippen, als ich aus dem Rethehafen auf die Elbe rausfahre. Ich fahre also mit der Strömung, leider aber auch gegen den Wind.
Dafür habe ich die einmalige Gelegenheit, an der Kattwyckbrücke unter dem Kran durchfahren zu können. Schiff von unten ist irgendwie lustig...

Nach knapp 3 Stunden und 29 Ruderkilometern ist meine Wanderfahrt dann zum Glück zu Ende. Einen Vorteil hat die Aktion aber auf jeden Fall gehabt: Nachmittags habe ich nicht nochmal trainieren müssen und konnte schön zwei Stunden Siesta machen. Vielleicht klappt es morgen dann auch mit den Strecken.

Schlammschlacht in Hamburg.

Erstaunlicherweise regnet es zu Wochenbeginn noch nicht. Nachdem ich nach einer gepflegten eineinhalb-Tage-Woche auf der Arbeit (Montag und Dienstagmorgen gingen für die letzten Fahrstunden und die Führerscheinprüfung drauf) am Mittwoch Nachmittag auf die Fähre steige, lacht noch die Sonne. Ein kräftiger Rückenwind schiebt mich auf meinem Fahrrad in Rekordzeit von den Landungsbrücken raus nach Allermöhe, wo Lena (die mysteriöse No.4 aus meinem letzten Post), Leo und Katrin schon auf mich warten. Wir machen uns sofort ans Aufriggern und drehen die ersten paar Kilometer über die Strecke. Es ist noch ein wenig ausbaufähig, aber das wird schon noch. Einen Tag haben wir ja noch, um uns wieder einzugrooven.
Den Donnerstag nutzen wir dann auch intensiv dazu, so dass sich Stromi sogar zu der Aussage hinreißen lässt, dass er die vordere Umkehr noch nie so gut bei uns gesehen hat.

Die Nacht auf Freitag schlafen wir trotzdem nicht besonders gut - ein heftiges Gewitter fegt über die Stadt, es blitzt ununterbrochen und der Wind pfeift um die Häuser. Als wir in Allermöhe ankommen, sehen wir überall demolierte Zelte. So richtig weg ist das Gewitter immer noch nicht, so dass wir uns dann anstatt Rudern zu gehen doch erstmal nur aufs Spinningrad setzen. Der Rhythmus der Gewitter wird dieses Wochenende den Zeitlplan der Jahrgangsmeisterschaften noch gehörig durcheineanderwirbeln.


Ralf hat uns nun offiziell nachgemeldet, so dass wir auch als Boot außer Konkurrenz in den Setzlisten auftauchen.
Es war eine Entscheidung der Chefetage des Ruderverbandes, dass wir hier antreten und schneller als der beste U23-Doppelvierer sein müssen um für die WM nominiert zu werden. Wir selbst finden es zwar nicht falsch, nochmal zwei Rennen zur Vorbereitung nutzen zu können. Ausgesucht haben wir uns das aber sicherlich nicht und eigentlich sind wir der Meinung, das wir diese Saison bis auf das unglückliche Ergebnis in Ratzeburg eigentlich auch alle vier gute Leistungen vorweisen können, die man mit etwas good will auch dazu heranziehen könnte, uns ohne extra Rennen zu nominieren.
Auf den Jahrgangsmeisterschaften werden wir auch nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Die Schiedsrichter sind der Meinung, dass man uns mit Zeitrückstand starten lassen müsste. Der Unterschied zwischen den Weltbestzeiten im A- und U23-Doppelvierer beträgt knapp 14 Sekunden. Würden wir mit diesem Rückstand starten müssen, wären die anderen Boote, wenn wir starten, schon knappe 100m weit gefahren und wir würden somit Gefahr laufen, in der Welle des Schiedsrichterbootes loszufahren. Man einigt sich daher, uns im Bahnverteilungsrennen mit an den Start zu schicken und uns im Finale mit dem Rückstand starten zu lassen, den wir im Bahnverteilungsrennen als Vorsprung hatten. Die Taktik ist also klar: als erste ins Ziel kommen, aber nicht mit zu viel Vorsprung.
Auch auf Seiten der gegnerischen Mannschaften regt sich Widerstand gegen unsere Teilnahme. Letzten Endes sind das hier nun mal deutsche Meisterschaften und für viele der Mädels in den gegnerischen Booten somit der Saisonhöhepunkt. Insbesondere einer der Trainer sieht es als Entwertung der Meisterschaft an, ein Boot außer Konkurrenz mitfahren zu lassen und kündigt an, Einspruch zu erheben.

Um die Pause zwischen dem morgendlichen Training und dem Bahnverteilungsrennen zu nutzen und etwas zu haben, worauf wir uns nach dem Finale - wie auch immer es ausgehen mag, unterschätzen sollten wir den U23-Vierer auch nicht - freuen können, backen Leo, Lena und ich erstmal Camembertmuffins und Erdnussbrownies. Kaum sind die aus dem Ofen, geht's wieder raus an die Strecke.


 Wir rudern noch eine kleine Runde, um das frisch reparierte Steuer zu testen und ein bisschen abzuschwitzen. Inzwischen knallt die Sonne so dermaßen runter, dass wir in 20 Minuten jede über ein halbes Kilo verlieren und mit reichlich Luft nach oben über die Waage kommen.

Das Bahnverteilungsrennnen läuft ziemlich planmäßig: Nachdem wir uns eine ganze Weile mit dem schnellesten U23-Vierer gematcht haben, können wir gegen Ende des Rennens Druck rausnehmen und kommen mit etwas über zwei Sekunden Vorsprung ins Ziel. Unsere Trainer hätten gerne weniger gehabt, aber mir hat einfach der Mut gefehlt, das Signal zum Lockerlassen zu geben, so lange das U23-Boot noch an unserem Heck klebte.

Über Nacht  und im Laufe des Samstages regnet es munter weiter, so dass sich die Wiesen um die Regattastrecke in eine einzige Schlammsuhle verwandeln. Wer keine Gummistiefel hat, leidet.

Keine zehn Minuten vor unsrer Waagezeit kommt dann auch die nächste Gewitterzelle um die Ecke, so dass die Rennen - und damit auch die Waage - nochmals um 20 Minuten verschoben werden müssen. Wir sind die einzige Mannschaft, die noch verwogen werden muss.

Auch organisatorisch hat es noch heftig gerumpelt: zunächst einmal haben sich die Schiedsrichter darüber beschwert, dass wir das Bahnverteilungsrennen nicht voll zu Ende gefahren sind (ganz ehrlich: selbst wenn es nicht um Zeitstrafen, sondern nur um die vermeintlich beste Bahn geht: wer macht das denn?) und wollten unseren Rückstand nun doch nochmal anders festlegen. Dann ist aber dem Einspruch des anderen Trainers stattgegeben worden und wir dürfen nicht im selben Rennen wie die anderen Vierer starten, sondern werden stattdessen einige Minuten später gegen die Uhr fahren.

Wir haben das Gefühl, dass von allen Seiten Prinzipienpolitik zu unseren Lasten betrieben wird, beschließen aber, uns davon nicht unsere gute Laune und unseren Kampfgeist nehmen zu lassen.
Immerhin dürfen Ralf und Cheftrainer Marcus nebenherfahren und sich angucken, was wir da machen. Wir starten auf der Mittelbahn, sie fahren mit ihrem Katamaran ganz außen an der Regattastrecke entlang, außer Hörweite. Näher werden wir dem Cheftrainer dieses Wochenende nicht kommen.

Der Seitenwind am Start ist so stark, dass Leonie mir helfen muss, das Boot auszurichten, weil ich es selbst nicht rumgezogen bekomme.
Achtung! Los!
Wir starten hochkonzentriert und mit der nötigen Ruhe im Endzug. Der Rest des Rennens gegen die Uhr wird ein Höllenritt. Wir fahren gut zusammen und bekommen insbesondere auf der ersten Streckenhälfte auch die vordere Umkehr ganz gut hin. Aber es ist so anstrengend, dass ich nach 500 Metern kaum noch weiß, woher ich die Luft für die Ansagen hernehmen soll. Hätten wir Gegner gehabt, wäre vielleicht der Mut dagewesen, zwei Prozent weniger zu investieren um sich die Luft zu verschaffen, etwas besser am Bootsdurchlauf zu arbeiten. Beim Zeitfahren trauen wir uns das nicht. Zu groß ist die Angst, durch das etwas weniger Aufwand die entscheidenden Sekunden zu verlieren.

An Land verkündet uns Ralf die erlösende Nachricht: Wir waren schneller als der U23-Vierer und sind nominiert. Bei mir macht sich Erleichterung breit. Zunächst bin ich einfach nur froh, dass es endlich vorbei ist. Ich bin so ausgepowert, dass ich noch meterweit neben mir stehe und bin wohl im Kopf auch einfach gerade nicht so weit, mich einfach darüber zu freuen, dass ich zur WM fahren darf. Dazu war es einfach alles zu zermürbend. Freuen kann ich mich aber über ganz andere Dinge: unserer Brownies sind echt lecker geworden und nach der Schlammschlacht gibt es auch nichts schöneres, als in die warme, duftende Badewanne zu steigen.

Endlich nominiert: Der LW4x für die WM von Bug (links) nach Heck: Ich, Leonie Pieper, Lena Reuß, Katrin Thoma (Foto: Ralf Hollmann)

Judith trainiert.... leider mal gar nicht

Es fing mit einem leichten Kratzen im Hals am Sonntagabend an. Am Dienstag war daraus dann doch ein echtes Halsweh geworden - ansonsten fühlte ich mich aber noch relativ fit. Etwas ratlos rief ich Herti an - schließlich sollte es am Mittwoch ins Trainingslager gehen, und im DRV gilt die knallharte Ansage: krank anreisen ist nicht! Somit machte ich mich dann am Mittwoch morgen nach einigen Telefonaten mit Bundestrainer und Verbandsarzt statt auf den Weg nach Sevilla erstmal auf den Weg ins AK St. Georg zu Sportmediziner Michael Ehnert. Der Flug wurde erstmal auf Freitag umgebucht.

Michael betreut an seinem sportmedizinischen Institut alle Hamburger Kaderathleten - und er macht das verdammt gut. Er gehört zu den Ärzten, bei denen man sich schon allein dadurch gleich wieder viel gesünder fühlt, weil er sich in aller Ruhe mit einem beschäftigt. Seine Diagnose nach ausführlichem in den Hals gucken, Fieber messen ("Du denkst also, die 38,9 Grad sind bei dir normal? - Haha, verarscht... 35,5..."), im Gesicht rumklopfen, Wattestäbchen in den Hals schieben und Blut abnehmen war dann: Nebenhöhlenentzündung. Ansteckend bin ich nicht, aber Sport machen kann man mir jetzt gerade auch nicht so richtig empfehlen. Na ja, abwarten und Tee trinken... sehr viel Tee.

Am Donnerstag meinte dann meine Nase, sie müsse auch noch ins Geschehen eingreifen, und wenn die Nase dicht macht, lassen sich die Ohren den Spaß auch nicht entgehen... Ich trinke also sehr, sehr viel Salbei-, Thymian-, Ingwer-, Kamillen- und Isländischmoostee und hüte das Bett. Die Menge an Homöopathika, die ich im Laufe des Tages zu mir nehme, geht mit Sicherheit schon als vollständige Mahlzeit durch und auch Michaels Nasenöl benutze ich brav, auch wenn mein Frühstückskaffee dadurch nach Eukalyptus schmeckt.
Es ist schon erstaunlich: da hat der Mensch Impfungen gegen Polio und Masern entwickelt und kann Tuberkulose heilen, aber eine alltägliche, kleine Nebenhöhlenentzündung kann man im Großen und Ganzen nur versuchen würdevoll zu ertragen.
Ich stelle mir vor, was wohl passieren würde, wenn die NADA jetzt hier aufkreuzen würde... zum Einen weiß ich gar nicht, wie viele Zeichen in das Feld für Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel reinpassen, zum Anderen bräuchte ich mit Sicherheit 3 Versuche, bis ich eine halbwegs zulässige Urindichte produzieren könnte...

Natürlich lässt mich Michael am Freitag auch noch nicht fliegen "verwöhnt" mich aber stattdessen mit einer Nasentamponade - "Ich steck dir jetzt einen Haufen mit Wachs und Nasenspray getränkter Gaze in die Nase... wenn die Patientin anfängt, zu weinen, dann weiß man, dass man tief genug drin ist, dann sind wir nämlich bei den Tränendrüsen... so, dass bleibt jetzt knapp 10 Minuten drin..."
Nach einer guten halben Stunde befreit er mich dann auch von den gefühlten 20 Metern Mullbinde in meiner Nase. Aber, das muss man ihm lassen, die Nase ist jetzt frei...

Trotzdem packt mich der Blues als ich wieder zu Hause bin. Da hat man vier Tage lang alles menschenmögliche gegen diese bekloppte Entzündung getan und was hat es gebracht? Genau, nichts!
Mir ist langweilig und ich fühle mich nutzlos. Ich habe keine Lust mehr, Tee zu trinken. Dass das Wasser in Sevilla angeblich nicht so toll ist, ist auch kein Trost. Von mir aus könnte es da auch schneien, ich wäre trotzdem lieber dort als hier.

So, jetzt ist das mal raus. Vielleicht passt in die dadurch entstandene Lücke ja doch wieder eine Tasse Tee...

Frühtest und Vorabinfos zum Meisterschaftsrudern

Kaum ist das Wetter warm und sonnig, geht's auch schon los mit der Regattasaison.

Dieses Wochenende waren wir zum Hamburg-internen Frühtest in Allermöhe, um nochmal 2000m-fahren unter Rennbedingungen mit "echten" Gegnern zu üben.  Ziemlich anstrengend, so zwei volle Renndistanzen an einem Tag, zumal ich frequenzmäßig immer noch etwas im Wintermodus bin. Dass mir Markus bei beiden Zwischenspurts prompt zu hören gab ich solle nicht so schnell vorrollen machte die Sache auch nicht unbedingt besser.... aber Alles in Allem kamen ganz brauchbare Zeiten dabei raus, so dass ich mich für die Deutschen Kleinbootmeisterschaften nächstes Wochenende ganz gut gerüstet fühle.

Frühtest bei frühsommerlichem Seiten-Schiebsturm (copyright: Johannes Welsch)
Sofern keine der 31 gemeldeten Starterinnen abmeldet gilt dort wieder der Modus "3 gewinnt", d.h. es gibt 6 Vorläufe, Platz 1-4 gehen in die Viertelfinals, der Rest ins Halbfinale E/F.
Danach kommen jeweils die ersten 3 weiter und der Rest in die Läufe um die Platzierungen dahinter.
Vorläufe sind am Freitag ab 16:50, Viertelfinals Sa ab 11:44, Halbfinals Sa ab 17:20, Finale A So 11:45
 (Hier gibt's die aktuellen Regattainfos für alle Neugierigen, und auch die Whatsappgruppe wird wieder scharf geschaltet. Vielleicht gibts auch wieder einen Audiostream auf rudern.de, bisher ist aber nichts angekündigt.)

Für Jasper ging's beim Frühtest sogar um mehr, nämlich um einen Platz in der hamburger Auswahlmannschaft der Junioren. Mit einem starken Vorlauf am Samstag Vormittag konnte er sich einen Platz im Finale erkämpfen, der ihm dann auch am Sonntag einen Platz im Achter sicherte.

Mal wieder Diagnostik

Seit Samstag weiß ich endlich, wie stark ich bin: Es war mal wieder komplexe Leistungsdiagnostik.
Bisher bedeutete das immer: ein Wochende am Olympiastützpunkt verbringen, viel Kuchen, viele Tests. Ein Wochenende, an dem man nicht trainieren konnte.
Dankenswerterweise ist die KLD seit diesem Jahr verschlankt worden. Jetzt geht sie nur noch einen halben Tag, dafür gibts aber auch keinen Kuchen mehr...

Los geht's mit dem Stufentest auf dem Ergometer. Der dient dazu, meine persönliche aerob-anaerobe Schwelle zu ermitteln. Dafür muss ich jeweils 4 Minuten lang bei einer festgelegten Leistung Ergometer fahren, dann habe ich eine Minute Pause, in der mir ein Tropfen Blut entnommen wird um meinen Laktatpegel zu messen. Wenn ich im Schnitt über 3 Schläge 10 Watt zu wenig leiste, kassiere ich eine Verwarnung. Nach 5 Verwarnungen endet der Test.
Also los... ich beginne mit 100 Watt. Es ist 9 Uhr morgens. Ich muss aufpassen dass ich nicht einschlafe. Die Helferin hat mir schon ganz große Hoffnungen gemacht "ooohh, so ein kleines Ohrläppchen, das wird ja schwierig..." Es gibt durchaus Leute, die das trotzdem schaffen... Sie braucht auf jeden Fall im Schnitt 55s der 60s Pause die ich habe, was ich ihr spätestens ab der 220-Watt-Stufe dann doch verüble. Ich hätte ja noch gerne einen Schluck getrunken...
Bei Markus kommen mal wieder ernsthafte Zweifel am Messystem auf. Wenn zwei Athleten gleichzeitig ihren Test starten, wie kann dann nach zwei Stufen schon ein - im Countdown deutlich hörbarer - Zeitversatz vorkommen?
Letztendlich überlebe ich bis zur zweiten Minute der 300-Watt-Stufe, und baue maximal 8,3 Laktat auf (bin halt kein Laktatjunkie, sorry....)

Anschließend geht's beim Physio vorbei. Nichts neues hier, der Hüfbeuger ist immer noch zu schlecht gedehnt. Dann unternehme ich einen Ausflug in die griechische Mythologie und reite auf dem Pegasus. Scherz beiseite - der Pegasus ist ein Gerät, das zur statischen Rumfkraftmessung dient. Zuerst werde ich komplett in Polster eingequetscht (wenn jetzt nur mal der Feuerarlarm nicht losgeht....), dann muss ich mit meinem Oberkörper Kraft nach vorne, hinten, zur Seite und in Drehrichtung aufbauen. Wie die letzten gefühlten 100 mal ist mal wieder mein Bauch viel zu schwach... also gaaanz viel Kraftgymnastik diesen Winter, vielleicht hilft es ja dieses Jahr. Anschließend wird noch die Kraft in meinen Beinen und die Rumpfkraft unter dynamischer Last gemessen. Auch meine Beine sind ziemlich ungleich mit Muskeln ausgestattet: das eine ist 23% stärker als das andere. Keiner weiß wo es herkommt, und niemand kann mir sagen, was ich dagegen tun kann.

Aber wir haben es mal analysiert....

Judith trainiert... Fanpost beantworten

Lang nichts mehr gehört von mir, ich weiß... Hauptsächlich liegt das daran, dass ich Posts der letzten Wochen gut mit "Judith trainiert Löcher zugipsen, Wände streichen und Möbel aufbauen" hätte titulieren können. Jetzt ist die Bude aber soweit halbwegs benutzbar (der Ofen stellt grade seine Funktionstüchtigkeit mit einem Blech Nussecken unter Beweis) und ich komm mal wieder dazu, mich an den Schreibtisch zu setzen. Da wartet nämlich noch eine Aufgabe für mich:


Vor ein paar Wochen hatte jemand einen Brief an meinen Spind gepinnt, kurze Zeit später folgte der zweite Brief dieser Art. Beide waren sie von älteren Herren geschrieben worden. Ich glaube, ich muss sie schon allein deshalb aufheben, weil ich noch nie im Leben so unglaublich höflich um etwas gebeten worden bin.

"Ich hoffe sehr, dass Sie Zeit finden, mir meine Bitte zu erfüllen. Für Ihre Mühe danke ich Ihnen im Voraus"

Beide hatten sie sich das Foto von meinem Rudern.de-Profil  ausgedruckt und wollten doch tatsächlich ein Autogramm von mir.

Ein Autogramm. Von mir???

Es waren beide Dinge, die leichtes Befremden in mir weckten. Als jemand, der die letzten vier Wochen damit zugebracht hat, Dinge wegzuwerfen, die die letzten paar Jahre nun auch echt nicht benutzt worden sind (zu welchem Gerät gehörte wohl dieses Ladekabel mal..?) tue ich mir ein bisschen schwer damit, zu verstehen, warum manche Menschen Dinge sammeln. Dazu noch einfach Zettel mit Unterschriften drauf. Mit Unterschriften von Leuten wie mir, dem netten Mädchen von nebenan. Okay, ja, ich mach ein bisschen mehr Sport als du, aber nein, ehrlich, das ist nicht so wild....

 Na gut, sie haben ja echt lieb gefragt, die Bitte möchte ich Ihnen nicht ausschlagen. Dummerweise mag ich mich so gar nicht auf dem Foto, das der DRV da auf seiner Homepage hat... also bin ich doch nochmal losgegangen um Fotos auszudrucken. Zum Glück gab es ja vor der WM noch einen offiziellen Fototermin. Um die Verspätung auszugleichen, gibt's noch ein Autogramm von Markus dazu, der hat ja schließlich auch gewonnen. Noch ein paar persönliche Worte dazu, und dann ab in den beiliegenden Rückumschlag und zur Post.


Answering fan mail

Hey there, I'm back... As my new flat is finally more or less habitable, I can come back to what has been lying around on my desk for the past few weeks:
I have received two letters from elderly men (my goodness, I've never received such a polite request!), asking me for an autograph.

Me? For an autograph??

It's both things that make me confused. First, that there are people who seriously collect pieces of paper with signatures. (Especially strange when considering how much time I've spent during the last weeks with throwing away things that I definitely never used during the last four years...)
Secondly, an autograph from  me, the nice young woman living next door? Yeah, well, okay, I do some more sports than you, but is there anything about it? I mean, it's my hobby, just as you might play the guitar, or paint, or dance. Or collect autographs. Okay guys... Of course, you will get an answer. In the end, I am happy about each supporter, and everybody just has his or her own way of showing interest.

Alles im Takt

Nach der ersten Trainingseinheit heute morgen konnten wir dann doch alle wieder lachen - unser anfänglicher Tausendfüßler mit Backborddrall ist einem runden, gut laufenden Trainingsschlag gewichen - jetzt müssen wir das ganze nur noch auf Frequenz bringen...

Das Training hatte ende letzter Woche mit einer sehr unerfreulichen Nachricht begonnen: Leonie und Wiebke sind auf der U23-WM "nur" siebte geworden (jeder der das schlecht findet: macht das erstmal nach), und außerdem waren unserer Trainingsbelastungen vor ein paar Wochen in Ratzeburg (in unserer zweiten gemeinsamen Rudereinheit) doch noch ziemlich langsam. Deshalb haben die zuständigen Bundestrainer beschlossen, unsere endgültige WM-Teilnahme von unserem Ergebnis im Relationsrennen (also der Abschlussbelastung im Trainingslager) abhänging zu machen. Wir fühlen uns ziemlich veralbert, nicht zuletzt deshalb, weil wir sowieso eine selbstzahlende Bootsklasse sind (das Argument "lohnt sich nicht" zieht also nicht wirklich). Na ja, das leben ist hart, aber ungerecht, aber im Grunde genommen wissen wir alle, dass wir gute Ruderer sind und dass wir es verdient haben, zur WM mitgenommen zu werden. So'n blödes Relationsrennen wird uns da nicht aufhalten.

Markus hat uns nochmal umgesetzt - anders als vor ein paar Wochen in Ratzeburg, als ich noch auf Schlag saß, sitzt jetzt Leonie auf Schlag, dann Wiebke, dann ich, und Katrin bleibt im Bug. Für mich, als klassische Bug- oder Schlagfrau, ist der Platz im Maschinenraum noch ziemlich gewöhnungsbedürftig - nicht nur, weil ich ständig vergesse, dass ich das Kommando habe... Aber der Bootsdurchlauf scheint Markus Recht zu geben.
In welche Richtung kippt's denn nun? Katrin und ich sind uns da uneins.. //What direction are we tilting to? Katrin does not share my opinion...
Und die ersten paar Trainingseinheiten in neuer Besetzung sind sowieso selten die pure Freude - alle haben ständig das Gefühl, nicht hinterher zu kommen, das Boot schaukelt oder hängt gleich permanent auf eine Seite, und statt vorne das Wasser sanft zu greifen und das Boot mitzunehmen, lösen wir in der Auslage erstmal einen Parkschein, um wieder von Null anzufangen...

Markus lässt uns stundenlang so fiese Übungen wie Pausenschläge, Luftschläge, Rudern ohne Schuhe und Rudern mit geschlossenen Augen machen (gerne auch alles in Kombination), so dass wir meistens heilfroh sind, wenn wir wieder aussteigen dürfen. Aber, was soll ich sagen: effektives Training ist, wenn man den Trainer nicht erst nach, sondern schon während des Trainings umbringen möchte. Und offensichtlich funktioniert es ja....

 

Finding the right rhythm


Our first rowing session this morning ended with four confident smiles - in less than five days, the millipede-style rowing is overcome, and we have developed a common understanding for the structure of the stroke at training speed. Race speed will follow, I'm sure.


Training for the world championships had started with unpleasant news for us: Wiebke and Leonie have "only" made the seventh rank on the under 23 year old world championships, and our training races some weeks ago (in our second training unit as a team) were still a bit slow. Because of that, the responsible coaches of the german rowing federation will wait for our so-called "relation race", the final test race against the clock, to finally decide if they will let us start on the world championships or not. Sometimes, these guys are a riddle to me... in the end, we're a self-paying boat, so letting us start would mean in the worst case a disgrace for the rowing federation at zero financial impact.
Despite we're all quite angry about this withdrawal of confidence we're eager to show that we are a strong team and we are worth being sent to Amsterdam!

Markus has rearranged our positions in the boat - different to our first training weekend, where I was on stroke, it's now Leonie on stroke, then Wiebke, then me, and Katrin in the bow. For me, sitting in the "engine room" of the boat is a completely new experience - before, I was always either on stroke or in the bow.  I still keep forgetting to give the commandos...

The first trainings in a new team are always hard - everyone feels stressed, the boat is rocking and instead of smoothly gripping the water on the attack, you're buying a parking ticket in each stroke...
Markus makes us row the most mind-boggling exercises he can find: rowing with closed eyes, without shoes,  varying stroke rates every couple of minutes, with breaks in the stroke, air strokes... and of course everything in combination! Absolutely exhausting, but obviously efficient...

Geburtstagsausflug mit Katmarman

Dieses Wochenende sind cruise days in Hamburg, mit ganz vielen Kreuzfahrtschiffen, und der besonderen Blue-Port Aktion - die Kräne des Containerterminals, einige Schiffe, viele Brücken und auch die Elbphilharmonie sind ganz in blau beleuchtet. Zeit für einen kleinen Ausflug...
Einige meiner Vereinskameraden treffen sich abends um halb zehn für dieses besondere Spektakel nochmal zum Rudern, wir bevorzugen nach 34km Rudern plus Krafttraining dann doch die gemütliche Variante: zu sechst auf Markus' Katamaran und ab in den Hafen! Am Containerterminal vorbei geht's in richtung Köhlbrandbrücke, die zu unserer Enttäuschung gar nicht blau erstrahlt... erst als wir drunter duch sind stellen wir fest, dass das mal wieder ein Fest für die Bewohner des Nordstrands ist: die Brücke ist nur einseitig beleuchtet. Wir folgen dem Köhlbrand bis zur Einmündung in die Norderelbe und staunen nicht schlecht: auf der Elbe herrscht dichter Verkehr. In beide Richtungen fahren mehr oder weniger blau beleuchtete Gefährte vorbei: wir sehen viele Hafenfähren, zwei Kreuzfahrtschiffe, ein riesiges Papierboot, einen Schaufelraddampfer, einen Schwimmkran und sogar die Cap San Diego wird von zwei Schleppern in Richtung Nordsee bugsiert. Wir beschließen, uns da mal lieber nicht mit unserer Nussschale einzureihen und treten den geordneten Rückzug durch die Ellerholzschleuse, in den Reiherstieg, vorbei am Spektrum-Festival, für das der Rethespeicher in buntes Licht getaucht ist.


A birthday trip with the catamaran

This weekend, the cruise days take place in the port of Hamburg - with lots of cruise liners, a big firework and the special blue port lightshow lighting up several bridges, ships, container terminals and the new opera house. Best conditions for a small trip...

Some of my club mates meet at the rowing club in the late evening to row to the port and watch the spectacle. We decide not to go rowing again after the 34km rowing plus 1h weight training we have already done, and take a comfortable seat on Markus' catamaran.



Way down the Süderelbe, we pass by the huge container ships, cross the Köhlbrand Bridge (only 53m height this evenening - take care of your heads!) and stop at the Elbe. We're astonished by what's passing by: Ferries, cruise liners, a huge origami paper boat, a floating crane, a paddle steamer and also the Cap San Diego  (honestly, I was not aware it can still move). We decide not to join the parade with our nutshell and return back through our usual training ditrict, the Reiherstieg, passing by the Spektrum-Festival, for which the silos at the Rethe Bridge are illuminated with colorful patterns.

Von zu lang geschlagener Sahne und anderen Flüssigkeiten

Es war einer dieser seltenen Tage ohne Training. Svenja hatte mich an den Baggersee geschleppt zum schwimmen und BRAVO lesen.
Jetzt standen wir in der Küche, ich am Salat putzen, Svenja backte Schoko-Amaretto-Torte für eine Geburtstagsparty. Der Boden steckte grad im Ofen, als es klingelte.
"Erwartest du jemanden" - "Nein"
Es kam natürlich diejenige, die immer kommt, wenn man niemanden erwartet. Ein undankbarer Job abends um neun bei knapp 30° Außentemperatur. Ich fing also schonmal an, ganz viel Wasser zu trinken, und Svenja mit der Schlagsahne für die Creme. Offensichtlich hörte sie dabei zu aufmerksam zu, wie wir die Formulare ausfüllten, oder die Sahne war einfach zu warm geworden. Jedenfalls begann sie wieder flüssig zu werden. "Es ist 20 nach neun, Netto hat also noch offen..." - "Toll, genau so hatte ich mir das vorgestellt."
Also fuhr Svenja nochmal los zu Netto, und ich unternahm einen ersten Versuch. 40ml. Das ist zu wenig. Also habe ich das erste mal im Leben eine Teilmengenversiegelung gemacht. Dabei wird die Flasche für die A-Probe mit einem Plasitkverschluss zugemacht, den man wieder abmachen kann (der endgültige Deckel lässt sich nicht lösen, wenn er einmal festgeschraubt ist), dann wird die Probe in eine Tüte gestellt und zugeklebt, und dann... na ja, weiter warten.

Inzwischen war Svenja auch wieder da und wir konnten endlich mit Abendessen anfangen. Währenddessen haben wir uns ganz nett mit der Kontrolleurin unterhalten. Wir wissen jetzt, dass sie das nur nebenberuflich macht ("Ansonsten würde man ja total verblöden."). Svenja konnte auswendig das komplette erste Kapitel der Känguru-Chroniken aufsagen.

Ich musste die zweite Sahneladung schlagen, weil Svenja Angst hatte, das wieder zu verhauen. Dann noch das Schokozeugs unterheben, und wieder in den Kühlschrank. Den Boden sollte man in 3 Scheiben schneiden. Svenja hat zwei hinbekommen. Eine davon hatte ein Loch in der Mitte. "Ich glaub' ich werd heute nicht fertig." - "Ich glaub ich auch nicht." Ich war inzwischen gefühlt beim zehnten Glas Wasser, die Kontrolleurin erzählte, dass sie mal einen Sportler nach dem Abschwitzen kontrollieren sollte. Hat wohl 5 Stunden gedauert.
Svenja überlegte derweil, was sie mit der überschlagenen Sahne anstellen sollte. Am Ende ist es Erdebeereis geworden. Darauf folgte die Entscheidung, ins Bett zu gehen und die Torte am nächsten Morgen fertig zu basteln.

Die Dopinkontrolleurin konnte dann auch um halb elf zusammenpacken. Und ich bin um kurz nach drei nochmal aufgewacht. Ich musste dringend mal.

Judith trainiert... bloggen mit Katrin


 Draußen hat es gerade aufgehört zu gewittern, wir gammeln auf dem Bett rum und meine neue Zweierpartnerin - Katrin aus Frankfurt - hat soeben festgestellt, dass ich einen Blog habe. Wir sind also so ein bisschen im Demo - modus....

Die letzten paar Tage haben wir bei Hamburg-untypischem Sonnenschein ganz fleißig trainiert. Und, was sollen wir sagen, es macht Spaß! Wie Einer mit Außenborder.

So, und jetzt schreibt die Katrin auch mal was:

Hallo, :) in Süderelbe ist es sehr schön zu trainieren, der Verein ist toll und der Hafen auch (vor allem die großen Schiffe) [Anmerkung von Judith: Die ganz großen Schiffe hat Katrin noch gar nicht gesehen :-P]. Wir freuen uns schon auf die Regatta in Ratzeburg nächste Woche.

Abends essen wir tonnenweise Salat (oder wir betreiben Dinner-cancelling zu gunsten von Eisbechern und Cocktails... ein bisschen Spaß muss ja auch sein)

Nun ja, wie gesagt, die Sonne scheint. Unser Trainer musste das auch gestern gleich nutzen, um sich zu bräunen und ist unter dem Vorwand, gestrandet zu sein, stundenlang nicht aus dem Spreehafen zurückgekommen. Und wir sagen dir trotzdem: Mit dem Liegestuhl am Veritas-Beach ist viel cooler als mit dem Katamaran auf der Sandbank!! Und allein zurückrudern ist langweilig.. so ganz ohne Radio :-( 
Am nächsten Tag haben wir Kartin dann noch die richtig großen Schiffe gezeigt :-P


Judith trainiert... bei Schietwedder

Der Mai hat sich verabschiedet und dem April das Feld wieder überlassen. Zumindest kommt es mir so vor, als ich am Freitagabend nach einer anstrengenden Trainingseinheit durch den Nieselregen zu Johannes laufe um nachzugucken, ob dort noch Wochenblätter auf der Treppe liegen. Wir brauchen dringend Zeitungspapier, zu Hause stehen 6 Paar klatschnasse Schuhe. Es regnet seit einer Woche. An den Tagen, wo ich zur Arbeit radle muss ich 3 Garnituren Wechselklamotten einpacken. Ich habs satt.

Dieses und letztes Wochenende war Wiebke Hein bei uns zu Besuch - wir bereiten uns im Doppelzweier auf die Regatta in Duisburg vor.

Das ist nicht die offizielle Zweierselektion - im Prinzip sollen wir einen Grundstock für den Doppelvierer bilden. Bei der Zweierbildung bin ich - trotz des dritten Platzes auf den Deutschen Meisterschaften - nicht berücksichtigt worden. Bundestrainer müssen ihre Entscheidungen nicht offiziell begründen, aber es liegt wohl daran dass ich neben dem Rudersport auch noch andere Hobbys (Fertigungsprozesse entwickeln) habe und dass mein Ergowert noch zu langsam ist.

Sei's drum - Vierer fahren ist ja auch nicht schlecht. Und so haben wir uns zwei Wochenenden lang durch Wind, Wellen und immer wieder Regen, Regen, Regen gequält, bis wir uns halbwegs einig waren, wie wir denn mal zusammen rudern wollen. Jetzt muss nur noch das Schnittgewicht runter auf 57kg... kein leichtes Unterfangen, denn Wiebke ist deutlich größer als ich. Deshalb haben wir vereinbart, dass ich sie ein Stück weit ausgleiche. Also schnell das Nutellaglas ganz oben aufs Regal stellen... Und am Gewicht tut sich fast nichts. Sobald ich anfange, weniger zu essen, handelt mein Körper nach dem Prinzip von Captain Jack Sparrow (Nimm was du kriegen kannst und gib nichts wieder her.) Als sich anfang der Woche doch was auf der Waage tut bin ich doch sehr erleichtert...

Drückt uns die Daumen, dass das Wetter in Duisburg besser wird!

Arbeitseinsatz

Zwei mal im Jahr heißt es: Anpacken im RC Süderelbe!
Damit uns bei Sturmflut nicht das komplette Inventar wegschwimmt, muss jetzt im Herbst alles, was sonst auf unter Schulterhöhe in der Halle liegt ins Obergeschoss verfrachtet werden.

Bei der Gelegenheit kann man dann auch gleich die Bootshalle aufräumen und putzen.











Weil im Verein aber ganz viele Mitglieder sind, und (fast) alle da sind, kann man sich auch noch mit allerlei anderen Dingen beschäftigen. Zum Beispiel eine Kunstinstallation mit weißer Folie und viel Klebeband im Flur veranstalten.

Oder die Schätze im Pokalschrank abstauben. Der älteste Vertreter stammte von 1896, der Originellste kam in Form eines Cocktailshakers daher.
Außerdem wurde mithilfe einer statistisch ausreichenden Anzahl von Beobachtern verifiziert, dass die Beleuchtung am Anhänger funktioniert.
Ach ja, der neue Katamaran schwimmt jetzt auch.

Wer hätte gedacht, dass arbeiten so viel Spaß machen kann?

 

Judith trainiert... im Messboot

Über Analysemethoden kann man sich trefflich streiten. Manche glauben, die totale Vermessung des Sportlers sei der Schlüssel zum Erfolg, andere denken, dass man die Zeit, die für aufwändige Messungen draufgeht viel besser zum Trainieren nutzen könnte.
Na ja, Versuch macht kluch, wie man so schön sagt. Und diese Woche ist sowieso die FES aus Berlin in Hamburg, also haben wir beschlossen, einmal Messboot zu fahren.

Wenn euch das Boot auf den Fotos bekannt vorkommt, dann liegt das daran, dass das Messboot kein besonderes Boot ist. Viel mehr ist mein Boot von der FES mit etlichen Sensoren, einigen dutzend Metern Kabel und einer riesigen Antenne ausstaffiert worden. Damit kann dann sehr viel gemessen werden:
Zunächst, wie lang mein Schlag ist. Das wird zum einen über den Weg des Rollsitzes gemessen und zum anderen über den Aus- und Rücklagewinkel an der Dolle. An den Skulls sind außerdem Dehnmessstreifen angebracht, die messen wie viel des Blattweges tatsächlich im Wasser stattfindet und ob ich auf beiden Seiten gleich stark ziehe. Außerdem sind auch unter meinem Stemmbrett Drucksensoren eingebaut worden. Zu guter letzt wird auch die Beschleunigung des Bootes gemessen. 

An dieser Stelle kommt dann die Antenne ins Spiel, die alle Messdaten live an den Messtechniker im Motorboot sendet.

Beschleunigung und Geschwindigkeit meines Bootes bei unterschiedlichen Schlagzahlen
Zwei Tage  später kommt dann eine Mail mit den Ergebnissen. Ein paar Seiten Diagramme, bei denen ich mir teilweise vorstellen kann, was sie bedeuten sollen, teilweise aber auch nicht. Dazu die Kommentare des Messtechnikers:

"Schlagweite im Bereich von 99-96° auf stb und 96-93° auf bb, entspricht noch nicht der Orientierung, Vorlagewinkel zu gering, Länge im Endzug reduziert sich mit der SF"

"Mittelzugbetonter Schlag mit geringer Kraftwirkung und ungenügendem Ausziehen des Schlages im Endzug, aber insgesamt guter Vortriebsbildung"

Er hätte auch schreiben können: "Rudert komisch, kommt aber erstaunlicherweise trotzdem vorwärts"

Markus ist der Meinung, dass der Mensch zwar viel Ahnung von den Kurven hat, aber eher wenig von der Rudertechnik. Er entschließt sich deshalb, nochmal unseren Landestrainer zu fragen. Ich bin gespannt, welche Diagnose der stellt.
Svenja interpretiert (aus den Kurven): "Na ja, dass ist doch das, was Markus dir schon immer im Training sagt."  Mein Fazit: Über den Sinn und Unsinn von Diagnosemethoden werden wir wohl noch ein wenig weiterstreiten.





Bilder von den Norddeutschen Meisterschaften

Vergangenes Wochenende hatte ich mal wieder das große Los gezogen: Norrdeutsche Meisterschaften. Natürlich fand der Leichtgewichtseiner Samstag abends um halb 6 statt, und genauso selbstverständlich durfte ich auch am Sonntag morgen um 8 wieder zum Vorlauf antreten, und selbstverständlich konnte ich mir auch das vorletzte Rennen am selben Tag nicht nehmen lassen...

Samstag

Irene und Svenja werden 7. im Doppelzweier





Für Lea gibt es endlich eine Medallie im Juniorinneneiner
Bis ich dann endlich dran war, war leider der Kameraakku leer. Gewonnen habe ich den Leichtgewichts-Einer trotzdem.

Sonntag

Der Sonntag war mit 6 Läufen eine echte Härteprobe für mich. Im Einer und im Vierer mussten jeweils Vor- Hoffnungs- und Finallauf bestritten werden. Dazu gabs noch kräftig Gegenwind, so dass man auch richtig viel vom Rennen hatte...
Auf dem Weg zum Start
Zweiter Platz für mich im Fraueneiner































Ohne high five und Maskottchen geht hier gar nichts.




























 
Am Ende wirds Platz 6 im Doppelvierer
 

Alles auf Anfang

Es geht wieder in die Vollen. Ab diese Woche heißt es wieder trainieren. 1000 Minuten in der Woche. Mindestens.

Ich starte ambitioniert, schon am Montag habe ich fast soviel trainiert wie in der Woche vorher. Es geht gleich mit den hässlichen Sachen los: Ergometer und Krafgymnastik. Am Dienstag Hypertrophie. Ich war ja immer der Meinung gewesen, dass ich beim Krafttraining keine Muskeln aufbaue. Offensichtlich habe ich in den vier Monaten ohne aber welche abgebaut.

Damit ich auch merke, dass ich wieder voll dabei bin werde ich dann auch am Samstag abend gleich von der Dopingkontrolleurin besucht. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt, aber just nach dem Spanienaufenthalt soll ich auf EPO kontrolliert werden...

Als ich im Bett liege stelle ich fest, dass nicht einmal mehr umdrehen ohne Schmerzen geht. Der Muskelkater wird wohl wieder mein ständiger Begleiter.

Bilanz am Ende der ersten Trainingswoche: 1315 Minuten, 93,5 geruderte Kilometer, 3 Blasen an den Händen und ein ausgewachsener Muskeltiger.





Intermezzo in Hamburg

Als wir über Hamburgs Norden anfliegen, merke ich das erste mal, wie grün meine Heimatstadt ist. Verglichen zu Madrid stehen die Häuser hier echt im Wald. Eine halbe Stunde später hole ich mein unversehrtes Fahrrad vom Sperrgepäckschalter ab, schließe Johannes das erste mal seit 3 Monaten wieder in die Arme und mache mich auf den Weg nach Hause. Dort heißt es dann erstmal feiern: Svenja hat Geburtstag. Das gute daran ist, dass viele Ruderer da sind und ich entsprechend schnell auf den neuesten Stand gebracht bin: seit ein paar Tagen ist der RCS dank einer großzügigen Spende unserers Vereinskameraden Paul und weiterer Unterstützung der Bootsbau Berlin GmbH  und SC Consult stolzer Besitzer eines hübschen roten Doppelvierers.

Am Sonntag morgen klingelt das Telefon. "Willkommen zurück! Kannst du heute mit in den Vierer steigen? Wir haben einen Ausfall." Willkommen zurück.

Und so sitze ich am Sonntag Nachmittag bei Nieselregen im Vierer und fahre gleich mal die Vorbelastung für die europäische Studentenmeisterschaft mit. Ich überlebe knapp :-P

Am Dienstag setze ich mich nochmal mit rein, dieses mal auf der Alster. Die 2,5km-Strecke kommt mir beinahe lang vor nach dem Manzanares. Am Donnerstag stechen die Mädels dann los nach Poznan. Ich gehe stattdessen meine Eltern besuchen.

Liebe Svenja, Irene, Kaja und Maria: Ich wünsche euch viel Spaß und Erfolg!



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